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Ausstellung "Visual Leader" : Wenn Fotos faszinieren

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die Ausstellung "Visual Leader" in den Hamburger Deichtorhallen versammelt das Beste aus deutschen Zeitschriften, Zeitungen und dem Internet.

shz.de von
erstellt am 01.Aug.2014 | 10:38 Uhr

Hamburg | Die Prozedur verlangt Ausdauer: Aus 450 Zeitschriften und 120 Zeitungen aus dem deutschsprachigen Raum wählte eine Vorjury eine Shortlist aus. Diese Auswahl von 18 000 Seiten wird dann der Hauptjury der LeadAwards vorgelegt, die die Gewinner der begehrten Medienpreise im September bestimmt. Bereits zum elften Mal präsentieren jetzt die Hamburger Deichtorhallen im Haus der Photographie die Nominierten in den Hauptkategorien Fotografie, Design, Zeitschriften, Zeitungen, Werbung und Online. Diese nicht ganz uneitle Leistungsschau der Medienbranche ist jedoch keineswegs eine reine Insider-Veranstaltung, wie Ingo Taubhorn, gemeinsam mit Tempo-Gründer Markus Peichl einer der beiden Kuratoren, betont: "25 000 bis 30 000 Besucher pro Jahr sprechen für sich. Wir haben extrem viele Gruppenführungen, gerade auch für Schulklassen und Hochschulseminare."

Zu entdecken sind ungewöhnliche Fotoserien, wie etwa "A.M." von Andreas Mühe aus dem Kunstmagazin Monopol. Mühe begab sich mit einem Angela Merkel-Double auf Deutschlandreise und fotografierte die falsche Kanzlerin von hinten, wie sie durch eine gepanzerte Autotür ihr Land begutachtet. Dass auch die gute alte Fotoreportage nicht tot ist, zeigt die Serie „Frucht der heißen Nächte“ des Ukrainers Kirill Golovchenko, der in seiner Heimat zwielichtige Melonenhändler am Straßenrand bei Nacht fotografierte. Gute Ideen auch im Magazinbereich: Das SZ-Magazin ließ im Januar den Bundestrainer Joachim Löw von Prominenten zu Themen wie Interviewstress und Freizeit-verhalten befragen. Markante Porträtzeichnungen illustrierten die Strecke.

Auffälliger Trend in diesem Jahr: Gerade die Tageszeitungen bemühen sich, in Zeiten der Medienkrise stärkeren Magazincharakter zu entwickeln. Ingo Taubhorn stellt die These auf: "Die große Überraschung in dieser Ausstellung sind die Zeitungen. Die Zeitungen werden kreativ. In der digitalen Welt stehen sie sehr unter Druck. Da müssen sie sich etwas ausdenken." So lässt die "Welt" immer wieder ganze Ausgaben von Künstlern gestalten. In diesem Jahr illustrierte der Leipziger Malerstar Neo Rauch alle Artikel mit seinen Bildern. Und die sonst nie um eine süffisante Schlagzeile verlegene „Bild“-Zeitung feierte den 7:1-WM-Sieg Deutschlands über Brasilien ungewohnt puristisch: Unter dem Motto "Ohne Worte" erschienen sieben ganzseitige Fotos der Treffer.

Die Ausstellung zeigt viele Beispiele für guten Journalismus, ungewöhnliche Grafik und neue Trends. Dennoch kommt sie an einem Mann nicht vorbei, der die Feuilletondebatten der letzten Jahre wie kein anderer geprägt hat: Der im Juni verstorbene Frank Schirrmacher wird auf einer ganzen Wand mit unvergesslichen Strecken aus dem Kulturteil der FAZ gewürdigt.


>Ausstellung: VisualLeader 2014. Das Beste aus Zeitschriften, Zeitungen und Internet. Die Ausstellung zu den LeadAwards. Deichtorhallen Hamburg, Haus der Photographie. Bis 5. Oktober 2014, Di-So 11-18 Uhr, jeden ersten Donnerstag im Monat: 11-21 Uhr. www.deichtorhallen.de; www.leadacademy.de






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