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«Die Grausamen» : Wenn Ermittler schlafende Hunde wecken

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John Katzenbach gilt als Spezialist für perfide Psychothriller, die unter die Haut gehen. Mit «Die Grausamen» hat er jetzt einen eher klassischen Krimi vorgelegt - mit einem Spannungsbogen, der zu wünschen übrig lässt.

Ein vor langer Zeit verschwundenes Mädchen, vier mysteriöse Morde und zwei abgehalfterte Polizisten: «Die Grausamen» heißt der neue Kriminalroman des Bestsellerautors John Katzenbach. «Der erste Ermittler-Thriller vom US-Meister der Psychothriller» - so preist der Verlag das Werk an.

Aber ist diese Premiere gelungen?

Unzählige Male schon ist die 13-jährige Tessa den Weg von ihrer Freundin nach Hause gelaufen. Doch in dieser Nacht kommt sie dort nicht an und verschwindet spurlos. Der Fall wird nie aufgeklärt.

20 Jahre später nehmen sich die beiden Ermittler Gabe Dickinson und Marta Rodriguez-Johnson der Sache an. Die beiden Detectives wurden von ihrem Chef aufs Abstellgleis geschoben und sind jetzt zuständig für «Cold Cases». Im «Verlies», dem Keller des Polizeigebäudes, sollen sie über alten, noch offenen Fällen brüten - ganz im Stil von Jussi Adler-Olsens Kommissar Carl Mørck.

Gabe und Marta schleppen beide reichlich persönliche Probleme und Schuldgefühle mit sich herum: Marta hat als frühere Drogenfahnderin unter tragischen Umständen ihren Partner erschossen. Gabe hängt an der Flasche, nachdem sein Schwager bei einem gemeinsamen Segelausflug tödlich verunglückt ist und seine Frau ihn verlassen hat.

Beim Durchwühlen alter Akten stoßen Gabe und Marta nicht nur auf den Fall Tessa, sondern auch auf vier brutale Morde an jungen Männern, die sich kurz nach dem Verschwinden des Mädchens ereigneten und die bis heute nicht aufgeklärt wurden. Die Ermittler wittern einen Zusammenhang - obwohl vieles dagegen zu sprechen scheint und sie beim Befragen früherer Zeugen auf Schweigen und Ablehnung stoßen.

Auch der Polizeichef will das eigentlich kaltgestellte Ermittler-Duo von weiteren Nachforschungen abhalten. Stattdessen beauftragt er Marta mit einem Fall, der sie mit ihrer eigenen Vergangenheit konfrontiert. Doch Gabe und Marta lassen nicht locker und müssen bald feststellen, dass sie sich plötzlich in tödlicher Gefahr befinden.

Die im Grunde spannend klingende Story schleppt sich über den Großteil der 570 Seiten leider dahin. Die Dialoge und inneren Monologe - erzählt wird abwechselnd aus der Perspektive von Marta und Gabe - gestalten sich oft zäh und langatmig. Gleichzeitig ist es aufgrund der vielen vorkommenden Personen und mehrerer parallel laufender Fälle für den Leser schwer, den Durchblick zu behalten. Eine Reihe von Zufällen spielt den Ermittlern in die Hände, und zu allem Überfluss ist zumindest ein Teil des Plots vorhersehbar.

Fazit: Premiere nicht gelungen. Katzenbach, der normalerweise für hochspannende, perfide Psychothriller steht («Der Patient», «Das Opfer») sollte sich in Zukunft lieber wieder diesem Genre widmen.

- John Katzenbach: Die Grausamen. Droemer Verlag, München, 570 Seiten, 16,99 Euro, ISBN 978-3-426-30603-1.

Die Grausamen

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erstellt am 16.Mai.2017 | 14:47 Uhr

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