24. Festival mit über 100 Bands : Wave-Gotik-Treffen 2015: Leipzig wird schwarz

Mit viel Make-Up und dunkler Kleidung werden viele Besucher zu wahren Kunstwerken.
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Mit viel Make-Up und dunkler Kleidung werden viele Besucher zu wahren Kunstwerken.

Zu Pfingsten verwandelt sich Leipzig in das Mekka der WGT-Fans. 20.000 Anhänger der düsteren Szene treffen sich in der Stadt - und die Leipziger sind bestens vorbereitet.

shz.de von
22. Mai 2015, 10:51 Uhr

Leipzig | Das 24. Wave-Gotik-Treffen (WGT) zieht an diesem Pfingstwochenende die Anhänger der düsteren Szene nach Leipzig. Rund 20.000 Besucher aus dem In- und Ausland erwarten die Veranstalter. Die „Schwarzen“ sind in der Stadt natürlich nicht zu übersehen.

Das Wave-Gotik-Treffen findet seit 1992 jährlich am Pfingstwochenende in Leipzig statt. Es ist neben dem in Hildesheim stattfindenden „M'era Luna Festival“ eines der größten Veranstaltungen der Alternativen und Schwarzen Szene. An den vier Festivaltagen erwartet die Besucher ein kulturelles Programm mit Auftritten von über 100 Bands, Filmvorführungen, Club-Parties, Lesungen, Ausstellungen, Live-Rollenspielen, Mittelaltermärkten, Kirchenkonzerten und diversen Workshops. Dennoch gibt es seit Jahren Kritik von Antifa-Gruppen, die Veranstalter würden auch Rechtsextremen Raum geben.

Es gibt untrügliche WGT-Erkennungszeichen. Fünf Dinge woran man erkennt, dass Wave-Gotik-Treffen ist:

1. Beim Bäcker gibt es Vampirzähne.

Vampirzähne in der Bäckerei.
dpa
Vampirzähne in der Bäckerei.
 

Die zapfenförmigen Gebäckstücke aus Pfannkuchenteig verkauft die Handwerksbäckerei Kleinert in zehn Geschäften. „Wir machen das schon seit Jahren, weil wir den Gotikern was bieten wollen“, sagt Anja Kleinert. Die Idee dafür sei von einer Mitarbeiterin gekommen, die selbst in der schwarzen Szene unterwegs war. Die Vampirzähne kämen gut an. Das Geschäft mit dem WGT - es läuft in Leipzig an jeder Ecke. Ein paar Fledermäuse als Deko im Schaufenster sind schon fast Pflicht. Und dunkles Schokoladeneis mit blutroter Himbeersoße auch.

2. Es gibt schon zum Frühstück Absinth.

Absinth
dpa
Absinth ist in der Szene beliebt.
 

Oscar Wilde und Ernest Hemingway mochten Absinth, und auch WGT-Besucher schätzen die hochprozentige Spirituose aus Wermut, Anis und Kräutern. Die Absintherie „La Petite“ bietet zum Beispiel „Frühstück & Absinth“. Doch wie erklärt sich die Beliebtheit? „Sowohl die Bedeutung, die Absinth in vergangenen Epochen in Literatur und Kunst eingenommen hat, als auch die verschiedenen Trinkrituale spielen für nostalgisch-düsterromantisch angehauchte ,Grufties‘ eine Rolle“, erklärt Sprecher Carsten Wurtmann. Absinth werde in düsteren Filmen wie „Bram Stokers Dracula“ von Francis Ford Coppola thematisiert. Und: „Ganz abgesehen davon schmeckt er aber auch einfach gut.“

3. Die Hotelpreise gehen kräftig in die Höhe.

Zimmerfenster eines Hotels im Leipziger Zentrum.
dpa
Zimmerfenster eines Hotels im Leipziger Zentrum.
 

Sie haben ein Hotel zu Pfingsten in Leipzig gesucht und sich über die Preise gewundert? Nun, es ist WGT und da gehen die Kosten für ein Hotelzimmer in die Höhe. 20 bis 35 Prozent Aufschlag seien normal, sagt Holm Retsch, Geschäftsführer des Hotel und Gaststättenverbandes DEHOGA in Leipzig. Auch das „Prinzip Messezimmer“ funktioniert zum WGT gut: Leipziger bieten private Unterkünfte für die Wave-Gotik-Fans an. Ein Besucherpärchen berichtete voriges Jahr, dass sie eine kleine Wohnung bekamen. Der Preis fürs WGT-Wochenende: 500 Euro.

4. Buchmesse-Besucher haben ein Déjà-vu.

„Ja ist denn schon wieder Buchmesse?“, mag sich der ein oder andere Ahnungslose angesichts bestimmter WGT-Outfits fragen. Die Leipziger Buchmesse zieht im März mit ihrem Manga- und Comic-Schwerpunkt jedes Jahr Tausende Kostümierte an. Auf der Messe heißt das Cosplay - aber einige Outfits sind zu Pfingsten beim WGT wieder da. Besonders Uniformen sowie „Steam Punk“ - klassische viktorianische Kleidung kombiniert mit technischen Accessoires wie einer Schweißerbrille - gibt es sowohl hier wie dort. Verkleidungshauptstadt Leipzig.

5. Menschen bestreiten energisch, verkleidet zu sein.

Schaulaufen auf dem Wave Gotik Treffen.
imago/STAR-MEDIA
Schaulaufen auf dem Wave Gotik Treffen.

Sie wollen einen WGTler verärgern? Dann fragen Sie ihn: „Was für ein Kostüm ist das denn?“ Zwar ist beim WGT stellenweise Schaulaufen für die Fotografen angesagt - je aufwendiger das Outfit, desto größer die Bereitschaft, sich vor einem Objektiv in Pose zu stellen. Aber mit „Verkleiden“ habe das nichts zu tun. Das sei Ausdruck ihres Lebensgefühls, ihrer Subkultur, ihres Alltags, sagen die Fotografierten dann oft. Und klar: Als kalkweißer Untoter mit blutverschmiertem Mund wird sicher niemand zur Arbeit gehen. Aber mit schwarzen Klamotten und Undercut-Frisur ins Büro - heute sicher kein Problem mehr.

Mehr Infos zum Wave-Gotik-Treffen gibt es auf der offiziellen Homepage.

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