zur Navigation springen

Echo 2016 : Warum Helene Fischer gegen Rammstein antritt - statt gegen Semino Rossi

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Eine Änderung beim Echo sorgt dafür, dass Helene Fischer einmal weniger nominiert wird. Ausgerechnet in der Kategorie Schlager.

von
erstellt am 06.Apr.2016 | 09:50 Uhr

Mit Helene Fischer ist es ja so eine Sache – die einen finden die auf Hochleistung getrimmte Sängerin nervig, die anderen feiern sie als Retterin der Schlagermusik. Und egal, wie häufig die 31-Jährige bei einer Preisverleihung nominiert ist, irgendwem passt es nicht. Zu oft? Zu selten? Die Diskussion kann man gerade schön vor der Echo-Verleihung in Berlin beobachten.

Dass sich der Musikpreis Echo so stark auf die Verkaufszahlen stützt, sorgt immer wieder für Kritik. Musiker bei Indie-Labeln mit schlechterer Vermarktung haben dadurch kaum Chancen, beachtet zu werden.

Helene Fischer ist nominiert, selbstverständlich. Die Verleihung ist quasi ein Heimspiel für Deutschlands Schlagerkönigin, zuletzt räumte sie ordentlich ab. Diesmal ist sie dreimal nominiert, so oft wie Popstar Adele. Einigen ihrer Fans reicht das aber nicht. Denn nach den Regeln, die bis vor Kurzem bei dem Musikpreis galten, hätte Fischer vielleicht noch Chancen auf eine weitere Trophäe gehabt.

Die Echo-Awards sind so etwas wie die „Spiegel“-Beststellerlisten, so jedenfalls erklärt es Berlins Musikbeauftragte Katja Lucker. Der Echo sei – mit Ausnahme einzelner Trophäen, etwa des Kritikerpreises und des Radio-Echos – ein Verkaufspreis. „Da kann man gut oder schlecht finden, wer auf Platz eins ist. Aber es geht darum: Was haben die Menschen gekauft oder per Streaming gehört?“ Es geht also um Erfolg in Zahlen, und da ist Fischer vorne dabei.

Ihr Album „Weihnachten“ war laut GfK-Charts das erfolgreichste des vergangenen Jahres. Dementsprechend ist es als „Album des Jahres“ beim Echo nominiert. Dazu kommen Nominierungen in zwei (weniger wichtigen) Kategorien. Was aber fehlt: eine Nominierung im Bereich „Schlager“. Da findet man stattdessen etwa Wolfgang Petry oder Semino Rossi. Die „Bunte“ hatte berichtet, die Regeln seien kurzfristig so geändert worden, dass Fischers Album „Farbenspiel“ trotz vieler Verkäufe zu alt gewesen sei, um etwa nochmal im Bereich Schlager anzutreten.

Kategorie Produkt Konkurrenten
Album des Jahres Weihnachten Adele, Sarah Connor, Santiano, „Sing meinen Song“
Crossover Weihnachten Bratislava Symphony Orchestra, Roger Cicero, David Garrett, Gregorian
Musik-DVD/BluRay National Farbenspiel Live Böhse Onkelz, Udo Jürgens, Peter Maffay, Rammstein

Tatsächlich dürfen Alben diesmal nur zwei Jahre alt sein, um sich zu qualifizieren. Darüber sei aber bereits seit Herbst diskutiert worden, erklärte der Bundesverband Musikindustrie, der den Echo organisiert. Die Richtlinien würden „grundsätzlich nicht für oder gegen einzelne Künstlerinnen und Künstler geändert – und vor allen Dingen nicht nach dem Ende des Bewertungszeitraums“.

Ein bisschen frischer Wind für den Echo also? Manche Kritiker zweifeln grundsätzlich an der Vergabepraxis. „Ich persönlich halte den Echo für den falschen Musikpreis“, sagte Jörg Heidemann vom Verband unabhängiger Musikunternehmen, der die Indie-Labels vertritt und selbst einen Preis nach einem Jury-Votum vergibt. „Ob Charts ein objektives Kriterium für Neuartigkeit und Qualität sind, wage ich zu bezweifeln.“
 

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen