Alzheimer? : Wallanders letzter großer Fall

Leidet Kommissar Kurt Wallander an beginnendem Alzheimer? Das ist die düstere und alles überschattende Frage in Henning Mankells neuem Roman mit dem knurrigen Kripomann aus Ystad.

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23. August 2009, 02:14 Uhr

Stockholm | Schwedische Leser können die Antwort jetzt auf der letzten von 555 Seiten nachlesen, während sich die deutschen Fans bis 2010 gedulden müssen.
Nach zehn Jahren Pause hat Schwedens erfolgreichster Krimiautor mit "Der unruhige Mann" ("Den orolige mannen") sein Versprechen an sich selbst gebrochen, keinen zehnten Wallander-Krimi zu schreiben. Ihn hätten vor allem unbewältigte schwedische Konflikte aus der Zeit des Kalten Krieges und der Kampf vieler Menschen jenseits der 60 mit Gedächtnislücken wieder zum Schreiben gebracht, erzählte Mankell bei einer Präsentation.
Wallander, ziemlich einsam, beruflich nicht mehr so fest im Sattel und von Tochter Linda zum Opa gemacht, erlebt extrem beängstigende "Löcher" (Was will ich eigentlich?) bei der Suche nach Louises verschwundenen Schwiegereltern. Der adlige Schwiegervater war hoher Marineoffizier und bis in die 80er Jahre an der Jagd nach mysteriösen fremden U-Booten vor Schwedens Küste beteiligt. Als auch die Ehefrau wie vom Erdboden verschluckt ist, kommt der Verdacht auf, dass einer von beiden vielleicht bei der großen U-Boot-Jagd "der" Spion für Moskau gewesen sein könnte.
Die Spannung bis zur Auflösung dieses Rätsels hält sich in Grenzen, und sie fällt nicht sonderlich originell aus. Mankell treibt die Geschichte, wie immer in seinen Krimis, langsam bis betulich voran. Zu betulich, zu wenig originell, mit enorm viel Leerlauf und einem in Schweden doch reichlich ausgelutschten Thema.
Mehr Mühe und Liebe hat der 61-jährige Autor auf die Schilderung von Wallanders erfolglosem Kampf gegen das Altern verwandt. Trost immerhin für mitfühlende Leser: Der Kommissar vergisst zwar beim einsamen abendlichen Trinken in einer Ystader Kneipe seine geladene Dienstwaffe. Aber später kommt ihm dann doch noch die brillante Idee zur Lösung des Falles.
Das "wirkliche" Ystad an Schwedens Südspitze erlebt gerade wieder eine sommerliche Invasion von Wallander-Fans auf der Suche nach Schauplätzen. Diesmal kommen sie aus Großbritannien, nachdem Kenneth Brannagh in drei neuen TV-Verfilmungen als vierter Wallander-Darsteller brilliert hat. Der Kommissar lebt für die Krimi-Gemeinde also weiter.
Mankell aber macht Schluss, wie man auf Seite 555 nachlesen kann: "Die Erzählung von Kurt Wallander ist unwiderruflich zu Ende." Die letzten Jahre, die noch bleiben, gehörten nur ihm, seiner Tochter Linda und Enkelin Klara, niemandem sonst.
Henning Mankell, "Den orolige mannen", Leopard Verlag, Stockholm, 2009, zirka 25 Euro. Ab 2010 auch in Deutschland erhältlich.

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