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Reaktionen auf „Im Schmerz geboren“ : „Wahnsinn“: Bildgewalt und 51 Leichen beim Tukur-Tatort

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Wieso wagen deutsche Fernsehkrimis mehr, als der deutsche Kinofilm? Das fragt sich ein Twitter-Nutzer. Der Tukur-Tatort um Kommissar Felix Murot polarisiert. Doch die meisten Twitterer finden: „Er ist einer der Besten.“

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erstellt am 13.Okt.2014 | 11:01 Uhr

Es war einmal ein Tatort, der so gar nichts mit den anderen bisher da gewesenen gemein hatte. Ein Sprach-, Stil-, und Bildepos war „Im Schmerz geboren“. Im Stile von Quentin Tarantino und mit einem neuen Leichenrekord überzeugte der sonntägliche Tatort in der ARD viele Fernsehzuschauer und Nutzer auf Twitter. Ein Film, in dem man Beethovens Musik, gespielt vom HR-Sinfonieorchester, genau so wiederfand wie Vincent van Goghs Kunst oder die Bildsprache von Lars von Trier. Ein Film, der auf den Spuren von William Shakespeare und Sergio Leone wandelt und ein wiedergenesener Kommissar, Felix Murot, der in der skurrilen Welt von einem Erzähler begleitet wird.

Die Geschichte dreht sich um einen ehemaligen Kollegen Murots, der vor 25 Jahren ins Exil nach Südamerika geflohen ist und heute mit Drogen- und Kaffeegeschäften seinen Unterhalt verdient. Richard Harloff ist wieder in Deutschland. Er und Murot liebten damals dieselbe Frau und es gibt einen Sohn. Dennoch stehen beide auf den verschiedenen Seiten des Gesetzes. Gemeinsam erinnern sie sich an die alten Zeiten, danach wird zu den Waffen gegriffen. „Im Schmerz geboren“ wandert auf einem schmalen Grat zwischen Melancholie, Hass und Unwirklichkeit. Der Spiegel nennt es ein „grandioses ballistisches Ballett“.

Nach der Erstausstrahlung des Krimis am Sonntagabend entwickelte sich im Internet und bei Twitter eine lebhafte Diskussion über die Qualität des Krimis und die Anzahl der Toten darin. Die stets genaue Experten-Seite „Tatort-Fundus“ zählte dabei 51 statt 47 Leichen und führte sie in einem Artikel auf. Im HR-Format „Tatort - die Show“ (im Web und bei der Radiowelle YouFM) gestand der hauseigene„Tatort“-Redakteur Jörg Himstedt, die Leichen seien „nie gezählt“ worden. Ein Schauspieler habe die Zahl 47 bei einer Pressevorführung in die Welt gesetzt. Den Machern sei es jedoch nie um eine genaue Zahl gegangen. Und sollte es angesichts des filmischen Meisterstücks auch nicht. 

Denn auch wenn es wohl 51 anstatt 47 Leichen gab, die starben wie im klassischen Western, so wird der gestrige Tatort so gekonnt inszeniert, dass das eigentliche Blutbad fast etwas Künstlerisches hat. Die Gewalt wird ästhetisch und grafisch in Szene gesetzt. Ganz und gar nicht so flach wie beim bisherigen Leichenrekord, dem Hamburger Tatort aus dem März 2014. Unter Nick Tschiller (Til Schweiger) starben damals 19 Menschen. 9,29 Millionen Menschen sahen am Sonntag den Krimi in der ARD. Viel für einen Ermittler, der bislang nicht in der Riege um Börne und Thiel oder Nick Tschiller mitspielt. Mit „Im Schmerz geboren“ dürfte Felix Murot (Ulrich Tukur) sich jedoch einen weiteren Schritt in die Beletage der Tatort-Kommissare gemacht haben. Die Messlatte liegt jetzt höher.

Nun hasste oder liebte man den Tatort vom Sonntag, der von Regisseur Florian Schwarz nach dem Drehbuch von Michael Proehl eine dichte Geschichte in Szene setzte. Eine, die nicht nur voller Anspielungen auf allerlei kulturelle Perlen bot, sondern auch mit beeindruckenden Bildern und viel Musik überzeugen konnte. Ein Krimi, der die Menschen polarisiert.

Um die Frage zu beantworten, ob man den Tatort nachgucken sollte?

„Ja!“. Dieser Tatort war der Meinung vieler nach großes deutsches Kino.

(mit dpa)

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