Weltkriegsbunker : Vom Schutz- zum Kulturraum – das macht der Norden aus seinen Bunkern

<p>Die Visualisierung zeigt den geplanten Dachaufbau und Garten auf dem Hochbunker am Heiligengeistfeld in Hamburg.</p>

Die Visualisierung zeigt den geplanten Dachaufbau und Garten auf dem Hochbunker am Heiligengeistfeld in Hamburg.

Party-Location, Kino, Ökokraftwerk, grüne Oase – die Bunker aus Kriegszeiten werden heute vielfältig genutzt

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14. März 2018, 21:06 Uhr

Die Zeit für die meisten Bunker in Deutschland läuft ab. Nach und nach werden sie entwidmet, an Private verkauft oder abgerissen, seit die Bundesregierung 2007 die Aufgabe der Schutzräume als solche beschloss. Von den 53 Bunkern in Schleswig-Holstein, die dem Landesamt für Denkmalpflege bekannt sind, stehen lediglich sechs unter Denkmalschutz (siehe Karte unten).

Mit den verbliebenen Kriegshinterlassenschaften wissen kreative Köpfe ganz Unterschiedliches anzufangen, sei es als Parkanlage über den Dächern der Stadt, unterirdische Party-Location oder stylischer Wohnraum. shz.de stellt einige der interessantesten Bunker-Projekte in Hamburg und SH vor.

Der Kultur-Bunker

Aus dem ehemaligen Werkschutzbunker der U-Bootwerft am Ostufer der Kieler Förde haben Studenten der dort befindlichen Fachhochschule sowie Handwerker und Künstler gemeinsam ein Zentrum der Kreativität geschaffen. Nach dem Zweiten Weltkrieg blieb das weitgehend zerstörte Gelände über Jahrzehnte ungenutzt.

2006 brachte die Gruppe den Bunker in Schuss mit dem Ziel, ihn für Hochschule und Anwohner in einen kulturellen Treffpunkt zu verwandeln. Seitdem gibt es im Bunker-D regelmäßig Ausstellungen, ein Café und eine Bar sowie Kinovorstellungen.

In einem Video zeigt das Bunker-D-Team, was es aus dem ehemaligen Kriegsgebäude gemacht hat.

Wo? Fachhochschule Kiel, Schwentinestraße 11, Kiel
Öffnungszeiten Während des Semesters wochentags 10 – 14 Uhr, mittwochs 10 bis 22 Uhr
Eintrittspreis für das Bunkerkino (mittwochs, 19 Uhr) 1 Euro + 50 Cent pro Semester

Hier geht es zur Webseite des Bunker-D.

Der Energie-Bunker

In keiner deutschen Stadt wurden im zweiten Weltkrieg so viele Bunker errichtet wie in Hamburg. Hier steht auch einer der beeindruckendsten Schutzräume aus dieser Zeit: der ehemalige Wilhelmsburger Flakbunker. Ehemals errichtet, um mit der hier platzierten Luftabwehr die Stadt vor Bombenangriffen zu schützen, wurde er nach Kriegsende von den Briten gesprengt.

Die Zerstörung betraf allerdings nur das Innere des Kolosses, die massiven, bis zu drei Meter dicken Wände blieben stehen. Und so konnte aus dem Bauwerk nach mehr als einem halben Jahrhundert des langsamen Verfalls 2013 ein Ökokraftwerk entstehen. Und nicht nur das. Auf dem Dach befindet sich ein Café mit Aussichtsplattform und eine Ausstellung über die Geschichte des Bunkers von Krieg, Verfall und erneuter, friedlicher Nutzung. Dazu gibt es an den Wochenenden Führungen. Die den Bunker bedeckenden Solarkollektoren haben dem Betonklotz einen ganz neuen Look gegeben.

 
Wo? Neuhöfer Str. 7, Hamburg
Führungen samstags und sonntags, 14, 15 und 16 Uhr
Eintrittspreis 4 Euro, Kinder und Jugendliche frei

Auf der Webseite des Kraftwerkbetreibers finden Sie weitere Infos.

Der Park-Bunker

Ein weiterer ehemaliger Hochbunker in Hamburg, der Flakturm in St. Pauli, ist vor allem bekannt für die darin untergebrachte Diskothek „Uebel & Gefährlich“. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Bunker nicht gesprengt, weil in der zerbombten Stadt der Wohnraum knapp war und private Mieter einzogen. Demnächst soll aus dem grauen Klotz ein begrünter Riese werden. Für 30 Millionen Euro planen Investoren eine Aufstockung um fünf Etagen, darin eine Halle für Konzerte und Sport, hotelähnliche Gästehäuser, Künstler-WGs, eine Gedenkstätte zur Geschichte des Bunkers – und oben drauf ein reich bepflanzter öffentlicher Park.

Ein Modell des geplanten Parks. Entlang den Außenmauern soll ein begrünter Aufgang hinaufführen.
Daniel Bockwoldt/dpa

Ein Modell des geplanten Parks. Entlang den Außenmauern soll ein begrünter Aufgang hinaufführen.

 

Zuletzt ist das Projekt allerdings ins Stocken geraten. Die Beteiligten streiten sich um Finanzierungsfragen und Nutzungsrechte. Die Bauarbeiten hätten bereits beginnen sollen. Passiert ist aber noch nichts.

Der Party-Bunker

Im Rathausbunker in Kiel nahe des Rathausplatzes zittern auch mehr als 70 Jahre nach den letzten Bombenabwürfen regelmäßig die Wände. Hier werden Partys veranstaltet – und Dank der unterirdischen und dadurch schallisolierten Lage können die DJs die Boxen so weit aufdrehen, dass mitunter tatsächlich die Einrichtung vibriert.

2007 ging es klein los mit wenigen Veranstaltungen im Monat, dann wurden es mal mehr, mal weniger, und mittlerweile ist der Rathausbunker eine zuverlässige Anlaufstation für Feierfreudige. Auch für private Veranstaltungen lässt sich der Bunker mieten, und viele Bands proben in den Räumen.

Wo? Waisenhofstraße 6, Kiel
Öffnungszeiten je nach Veranstaltung
Eintrittspreis je nach Veranstaltung

Hier geht es zur Facebook-Seite des Rathausbunkers.

Der Wohn-Bunker

In Flensburg, nahe der Marineschule, hat sich der ungarische Architekt András Zsiray seine ganz individuelle Bleibe gestaltet. Auf dem verwitterten Beton eines Hochbunkers thront seit 2010 in elf Metern Höhe sein Penthaus mit großzügiger Dachterrasse und noch großzügigerem Blick auf die Förde.

Noch mehr Bunker

Wo es in Schleswig-Holstein in die verborgene Welt der Bunker geht, sehen Sie auf der Karte. Die rot markierten Bunker stehen unter Denkmalschutz.

Auf Facebook gibt es verschiedene Gruppen, in denen Bilder und Infos zu Bunkern in Schleswig-Holstein und Umgebung getauscht werden, etwa auf der Seite Bunker in Schleswig Holstein und Umland oder Bunker in Flensburg und Umgebung.

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