Eine Frage der Macht : Vom Schandpfahl zum Internetpranger

Die Historikerin Ute Frevert hat ein Buch über «Die Politik der Demütigung» geschrieben. Die Geschichte ist lang - und durch das Internet wieder hochaktuell geworden.

shz.de von
17. Januar 2018, 14:33 Uhr

Menschen werden an einen Schandpfahl gebunden, ihnen werden in aller Öffentlichkeit die Haare geschoren oder sie müssen vor einer johlenden Menge entwürdigende Handlungen vollziehen. Die Geschichte der Demütigung ist lang und grausam.

Die renommierte Historikerin Ute Frevert zeigt in ihrem sehr lesenswerten Buch die Mechanismen dahinter auf: Demütigung hat immer mit Macht zu tun und sie muss sich - anders als etwa die Beleidigung - vor einem Publikum vollziehen. Die Motive sind stets dieselben: Verletzungen von Regeln sollen geahndet oder das Gemeinschaftsgefühl gestärkt werden, etwa bei Initiationsriten im Militär oder an der Uni.

Seit der Aufklärung wurden öffentliche Demütigungen als unvereinbar mit der Würde des Menschen empfunden und zurückgedrängt. Doch durch das Internet sind öffentliche Demütigungen wieder an der Tagesordnung und schlimmer als je zuvor. Denn das Publikum ist riesig und das Internet vergisst nie. Insofern ist das Buch «Die Politik der Demütigung» nicht nur historisch interessant, sondern von großer Aktualität.

- Ute Frevert: Die Politik der Demütigung. Schauplätze von Macht und Ohnmacht, S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main, 336 Seiten, 25,00 Euro, ISBN 978-3-10-397222-1.

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