Großstadtrevier und Büttenwarder : Vom Bauern zum Star: Peter Heinrich Brix wird 60

Lothar Krüger, gespielt von Peter-Heinrich Brix, verlässt 2009 nach 14 Jahren die Serie
Lothar Krüger, gespielt von Peter-Heinrich Brix, verlässt 2009 nach 14 Jahren die Serie.

Erst spät entschied sich Peter Heinrich Brix, von der Landwirtschaft zum Schauspiel zu wechseln. Heute wird der gebürtige Angeliter 60 Jahre alt.

shz.de von
13. Mai 2015, 09:50 Uhr

Manchmal schreibt das Leben Geschichten, die würde man im Film belächeln – zu dick aufgetragen. Die Geschichte von einem nicht mehr ganz jungen Landwirt in Angeln zum Beispiel, der eines Tages beim örtlichen Feuerwehrfest auf der Bühne steht und dabei merkt, wie gut ihm dieser Rollenwechsel gefällt. Der dann so lange zwischen städtischer Bühne und heimischem Bauernhof pendelt, bis es nicht mehr geht, weil er beidem – Hof und Bühne – nicht mehr gleichzeitig gerecht werden kann.

„In einem solchen Moment musst du Fakten schaffen“, sagt Peter Heinrich Brix. Er sitzt in einem Restaurant in Hamburg-Ottensen und erzählt die Geschichte von dem Bauern, der auf die Bühne wechselte. Seine Geschichte. „Das war eine Kamikaze-Entscheidung damals, ein Berufswechsel ohne Rückfahrkarte.“ Man muss nicht auf dem Land wohnen, um zu ahnen, was in dem kleinen 800-Seelen-Ort bei Flensburg geredet wurde, als Brix Freunden und Familie von seiner Entscheidung berichtete.

34 Jahre alt war er damals, in dem Alter wechselt man höchstens mal den Stammtisch in der Dorfkneipe, aber nicht den Beruf. Sechs Jahre lang hatte Brix bis zu dieser Entscheidung an der Niederdeutschen Bühne in Flensburg gespielt, mit großem Aufwand, neben der täglichen Arbeit auf dem Hof. „Ich habe gemerkt, dass ich etwas ändern musste. Ich wollte unbedingt Schauspieler werden, hauptberuflich“, erinnert sich Brix, nippt an seinem Wasserglas und sagt: „Hat ja auch geklappt.“

Heute wird Brix 60 Jahre alt, und an solchen runden Geburtstagen wird häufig Bilanz gezogen. Die von Peter Heinrich Brix kann sich sehen lassen: Er ist seit über 20 Jahren auf den deutschen Bildschirmen präsent, sein Gesicht ist deutschlandweit bekannt, es hat sich als Marke etabliert. Als norddeutsche Marke vor allem. Das kann man nicht zuletzt daran erkennen, dass der NDR, der sein eigenes Image gern über Schauspieler wie Bjarne Mädel, Jan Fedder und eben Peter Heinrich Brix schärft, ihm an seinem Geburtstag einen eigenen Abend widmet und dafür auch eine 60-minütige Dokumentation produziert hat.

Ein Geburtstagsgeschenk, auf das Brix stolz ist: „Ist doch klar, dass ich mich dadurch gebauchpinselt fühle, alles andere wäre gelogen.“ Dann lacht er dieses typische Brix-Lachen, bei dem das ganze Gesicht in Bewegung gerät, vom Mund bis zu den Augenbrauen. In solchen Momenten schaut der bald 60-Jährige wie ein Junge, der in Nachbars Garten beim Äpfelklauen erwischt wurde.

„Sein Humor passt in sein Gesicht“, sagt der Regisseur Lars Jessen in der NDR-Dokumentation über ihn. Was er meint: Brix hat eines der ausdrucksstärksten Gesichter im deutschen Fernsehen. Lars Jessen ist ebenfalls Norddeutscher, er ist in Dithmarschen aufgewachsen und hat schon einige Filme gemacht, in denen die Besonderheiten des norddeutschen Gemüts, den Humor eingeschlossen, zum Tragen kommen. In mehreren dieser Filme hat Peter Heinrich Brix mitgewirkt. Jessen muss es also wissen.

Brix selbst ist dieses Etikett des typischen Norddeutschen nicht immer recht: „Ein solches Rollenprofil ist nicht nur hilfreich, sondern auch gleichzeitig Hindernis“, sagt er. Hindernis vor allem dann, wenn es um andere Rollen geht, um Rollen wie die des Polizeimeisters Friedrich Thieme, der in den 1970er Jahren in einen klassischen Geschlechter-Konflikt mit seiner Tochter gerät. „Eine wie diese“ hieß der Film, den das ZDF am Sonntag unter dem Slogan Herzkino, man muss es so sagen, versenkt hat. Der Film hatte nämlich mit den Schmachtfetzen, die üblicherweise auf diesem Sendeplatz laufen, nichts gemein.

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Es war ein kluger Streifen über die Emanzipation und über Rollenbilder in den 1970er-Jahren, und Peter Heinrich Brix spielte darin einen Vater, der sich in seinem eigenen Weltbild verrennt. Eindrucksvoll dargestellt – und überhaupt nicht komisch. „Ich versuche, mein Spektrum zu erweitern. Ich habe schon eine Transe gespielt, jetzt einen strengen Vater. Über solche Rollen wird man anders wahrgenommen.“

Die öffentliche Wahrnehmung ist für jeden Schauspieler ein wichtiger Indikator. Er darf nicht zu viel zu sehen sein, aber auf gar keinen Fall zu wenig. Er sollte ein Profil haben, ohne damit gleich in einer Schublade zu landen. Peter Heinrich Brix sagt: „Man muss seine eigenen Spuren hinterlassen, ohne ständig wieder reinzutreten.“

Brix hat deutliche Spuren hinterlassen, im Hamburger Serien-Dauerbrenner „Großstadtrevier“ etwa, an der Seite von Jan Fedder.

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In mehr als 200 Folgen hat er den Polizisten Lothar Krüger gespielt, dann ist er ausgestiegen. „Ich wollte nicht mit der Serie in Rente gehen“, sagt Brix. Für seine andere große Rolle gilt das nicht. In „Neues aus Büttenwarder“ spielt er seit 1997 mit, auch hier gemeinsam mit Fedder. Brix mimt den Bauern Adsche, der sich mit seinem Kollegen Brackelmann (Fedder) den Tücken des Landlebens stellt – zwei Glücksritter, die sich Träume und Mofa teilen.

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Gerade haben sie in Stormarn neue Folgen der Reihe gedreht, und natürlich wird der NDR auch an seinem Brix-Themenabend einige Folgen aus „Büttenwarder“ zeigen. „Die Serie macht den Zuschauern Spaß – und uns auch“, sagt Brix: „Ich hoffe, dass diese Reihe ewig weitergeht.“

In dieser norddeutschen Spur also will er bleiben, ansonsten aber sein Rollen-Spektrum erweitern. „Ich möchte jetzt die Hauptrollen spielen.“ Eine selbstbewusste Aussage, die er im nächsten Satz auch gleich wieder relativiert. „Natürlich ist die Konkurrenz da groß, und ich werde mich nicht von der Rader Hochbrücke stürzen, wenn es mal nicht klappt.“

Das hat er am Anfang seiner Karriere schließlich auch nicht getan, nachdem er sein altes Leben als Landwirt bereits hinter sich gelassen hatte und in seinem neuen als Schauspieler noch nicht richtig angekommen war. „Am Anfang lief es schleppend“, sagt Brix. „Ich musste mich mit Synchronisations-Jobs und anderen kleineren Sachen über Wasser halten.“

Die Landwirtschaft hat er trotzdem nie vermisst. „Dieser Lebensabschnitt war mit meinem Ausstieg vorbei.“ Den Hof in Angeln allerdings besitzt er noch, ein angestellter Landwirt bewirtschaftet ihn. Ihm hat Brix damals das Versprechen gegeben, nie mehr in den Betrieb zurückzukehren. Wohl aber auf den Hof. Dort schaut er immer noch alle vier bis fünf Wochen für ein paar Tage vorbei. „Ich bin gern dort.“ Peter Heinrich Brix trifft sich dann mit alten Freunden, und er besucht seine Mutter. Die ist mittlerweile 87 Jahre alt – und sicherlich eine der ersten, die ihrem Sohn heute zum 60. Geburtstag gratuliert.

Am Donnerstag feiert der NDR Peter Heinrich Brix mit einem Themenabend:

20.15 Uhr: „Neues aus Büttenwarder: Vatertag“; 20.40 Uhr: „Neues aus Büttenwarder: Knopfhase“; 21.10 Uhr: „Peter Heinrich Brix – Ein Mann mit Charakter“, 22.10 Uhr: „Brixi – mich gibt’s nur zweimal“; 22.25 Uhr: „Der Mann der alles kann“.


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