zur Navigation springen

Ville Valo legt den Finger in die Wunde

vom

shz.de von
erstellt am 02.Mai.2013 | 03:59 Uhr

Berlin | Ganz klar: Ville Valo liebt das Düstere. Natürlich ist der Finne völlig in Schwarz gekleidet, als wir uns in einem Berliner Hotel zum Interview treffen. Auch das jüngste Album seiner Gruppe HIM dockt ans Dunkle an. Auf "Tears on Tape" haut das Quintett aus Helsinki einem rotzige Gitarrenriffs um die Ohren: "Unser Ziel war es, nichts übermäßig zu polieren." Das Keyboard verpasst dem krachenden Sound dennoch etwas Gefälligkeit, dazu gesellt sich Valos melancholischer Gesang.

Ob Liebe, Einsamkeit oder Tod: Der 36-Jährige legt in den neuen Liedern abermals seinen Finger in Wunden. Seine Texte sind wehmütig, die Musik dazu ist zu romantisch für Heavy Metal, zu raubeinig für Pop. Also zimmerten sich die Skandinavier bereits vor Jahren ihr eigenes Genre Love Metal. In diese Kategorie fügt sich das schwere "W.L.S.T.D." nahtlos ein, ebenso das eingängigere "Into the Night" oder die verzerrten Instrumental-Intros, die sich HIM bei Iron Maiden abgeguckt haben.

Von älteren Kollegen haben die fünf Musiker schon immer gern gelernt. Anfangs spielten sie bei ihren Konzerten fast nur Stücke von Type O Negative und Black Sabbath. "Ich denke, Cover-Songs helfen Bands, ihre eigene Identität zu finden", sagt Valo. "Weil sie sich mit Fremdmaterial in alle möglichen Richtungen ausprobieren können." HIM machten davon reichlich Gebrauch. Mit Chris Isaaks "Wicked Game" gelang ihnen in ihrer Heimat der Durchbruch: "Wir haben die Nummer wirklich vergewaltigt. Trotzdem hat sie dabei nicht ihre Sentimentalität verloren." Danach wussten die Jungs jedenfalls, was ihre Fans wollten. Mit ihrer Single "Join me (in Death)" landeten sie 1999 ihren ersten Nummer-eins-Hit.

Ein vergleichbarer Ohrwurm findet sich auf "Tears on Tape" zwar nicht, dafür gibt es einige Details zu entdecken. Nicht umsonst startet das Titelstück mit dem Satz "Church bells toll and the thunder rolles around me.": "Ich verweise da auf das Intro der ersten Black-Sabbath-Platte." Schließlich definiert Valo seine eigene Nummer als Hommage an die Musik seiner Idole: "Black Sabbath, Led Zeppelin oder Neil Young haben richtige Meisterwerke erschaffen, in denen Tränen, Schweiß und vor allem ganz viel Herzblut stecken. Dank ihrer Leidenschaft bin ich auf die Idee gekommen, selber Musiker zu werden."

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen