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Thriller : Viel Action in «Wer Lügen sät»

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Eine junge Frau wird in Brasilien entführt. Ihr Vater lässt einen Experten aus England einfliegen, um mit den Gangstern zu verhandeln. Aber dann eskalieren die Ereignisse und Robert Wilsons Thriller «Wer Lügen sät» bietet immer neue Überraschungen.

Ein reiches junges Mädchen ist das Ziel von Verbrechern in der brasilianischen Metropole Sao Paulo. Auf dem Heimweg von der Uni wird Sabrina Melo von ihrem Motoroller gezerrt, gefesselt und in ein Haus irgendwo in einem Armenviertel der Stadt gebracht.

Der Brite Robert Wilson schildert die dramatischen Ereignisse am Anfang seines neuen Thrillers «Wer Lügen sät» aus der Sicht der 19-Jährigen, die auf einmal in einer Welt landet, die ihr völlig fremd ist. Wilson schildert Hilflosigkeit und Verzweiflung der jungen Frau sehr überzeugend, ganz besonders, als ihre Bewacher sie demütigen und verletzen.

Sabrina ist scheinbar ein lohnendes Ziel für die Entführer. Ihr Vater ist ein sehr reicher Bankier und einflussreicher Politiker. Der Machtmensch denkt nicht daran, die Bedingungen der Entführer zu erfüllen. Stattdessen engagiert er Charles Boxer, früherer Elitesoldat, Kriminalpolizist und jetzt Mitarbeiter einer Agentur, die verschwundene Menschen sucht. Schon in mehreren Romanen hat Wilson die Figur Charles Boxer als Experten für Verhandlungen mit Entführern eingesetzt.

Eigentlich hat Boxer gar keine Zeit, um den Fall zu übernehmen. Eine Frau hat ihn in London gebeten, ihre Schwester zu finden, die vor über 30 Jahren spurlos verschwunden ist. Einige Details führen Boxer zu dem Schluss, dass sein Vater, der am selben Tag verschwand, in diesen Fall verwickelt sein dürfte.

Um ein schnelles Honorar zu verdienen, fliegt Boxer nach Sao Paulo und erlebt eine ganz andere Dynamik, als er erwartet hatte. Sabrinas Vater scheint sein ganz eigenes Spiel zu spielen, dessen Ziel nicht unbedingt Sabrinas Befreiung ist. Der Romantitel «Wer Lügen sät» scheint besonders auf ihn gemünzt.

Boxer muss sehr vorsichtig taktieren zwischen völlig unberechenbaren Entführern, einem undurchschaubaren Auftraggeber, verfeindeten politischen Gruppierungen und dann auch noch Gangsterbanden, die um das Entführungsopfer streiten. Als es schließlich darum geht, die Entführung zu einem guten Ende zu bringen, eskalieren die Ereignisse. Gangsterbanden bekämpfen einander wie in einem Bürgerkrieg, und Boxer muss sich als Held eines Actionthrillers bewähren.

Allmählich wird dem Ermittler klar, dass der Fall sehr viele offene Fragen zurückgelassen hat und dass er diese Fragen beantworten muss, wenn er seine komplizierte Vergangenheit aufklären und so etwas wie inneren Frieden finden will.

Wilson führt zahlreiche ungewöhnliche Figuren ein, die «Wer Lügen sät» zu einer spannenden, kaum einmal vorhersehbaren Erzählung machen. Mitunter trägt er etwas dick auf, um die Handlung glaubhaft erscheinen zu lassen, aber die Mischung funktioniert exzellent als Unterhaltungslektüre.

- Robert Wilson: Wer Lügen sät. Goldmann Verlag, München, 448 Seiten, 15,00 Euro, ISBN 978-3-442-31453-9.

Random House Wer lügen sät

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erstellt am 01.Aug.2017 | 13:40 Uhr

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