zur Navigation springen

Diesmal kein Pfeifkonzert : Versöhnlicher Abschied von Frank Castorf in Bayreuth

vom

Es ist die letzte Spielzeit von Frank Castorfs «Ring des Nibelungen» bei den Bayreuther Festspielen. Nach der «Götterdämmerung» zeigte sich der Regisseur dem Publikum - und das reagierte ganz anders als nach der Premiere 2013.

Fünf Jahre nach seinem Debüt bei den Bayreuther Festspielen ist der Regisseur Frank Castorf vom Publikum bejubelt worden. Als der 66-Jährige am Donnerstag nach der «Götterdämmerung» gemeinsam mit seinem Regie-Team vor den Vorhang trat, erhob sich das Publikum und applaudierte.

Kein Pfeifkonzert. 2013 buhten die Zuschauer 15 Minuten lang und Castorf blieb stehen, tippte sich mit den Zeigefingern an die Stirn und provozierte noch mehr Protest. 2017 gab es 15 Minuten lang stürmischen Beifall, in dem die einzelnen «Buh»-Rufe untergingen. Es scheint, als habe das Wagner-Publikum seinen Frieden mit dem Castorf'schen «Ring des Nibelungen» gemacht.

Die Festspielleiterin Katharina Wagner zieht ein positives Resümee: «Da ist nicht nur eine Form von Frieden, sondern auch ein Verständnis für diese Sichtweise gewachsen», sagte sie der Deutschen Presse-Agentur. Sie bedauert es, dass der Regisseur den Grünen Hügel nun verlässt. Noch zweimal ist dessen Inszenierung des vierteiligen Mammutwerkes zu sehen. Am 28. August gibt es die letzte «Götterdämmerung» à la Castorf. Das Stück beschließt die diesjährige Festspielsaison.

Die schrill-frivole Inszenierung des Regie-Rabauken mit ihren zahlreichen - und bisweilen schwer nachvollziehbaren - politischen Anspielungen und den gewaltigen Kulissen wird als hochumstritten in die Geschichte der Festspiele eingehen. Phasenweise gerieten die Aufführungen zu einer Multimediashow. Auf Leinwänden waren Videosequenzen zu sehen, unter anderem Szenen aus dem Inneren der Kulissen, die den Zuschauern sonst verborgen geblieben wären.

Angesichts der Bildfülle drohte die Musik in den Hintergrund zu geraten. Dass das nicht geschah, lag an dem Dirigenten Marek Janowski und dem grandios aufspielenden Festspielorchester. In den ersten drei Jahren hatte die musikalische Leitung noch der ebenfalls gefeierte Kirill Petrenko inne gehabt.

Die Drehbühne wurde für die vier Teile von Aleksandar Denić gestaltet. Das «Rheingold» spielte sich in einem heruntergekommenen Motel und einer nicht weniger schäbigen Tankstelle im Stil der 60er Jahre an der Route 66 in den USA ab, die «Walküre» verlegte Castorf in eine Ölraffinerie in Aserbaidschan. Bei «Siegfried» wechselte die Szenerie zwischen einer bühnenhohen Replik des Mount Rushmore - jedoch nicht mit vier in Stein gemeißelten US-Präsidenten, sondern mit den Köpfen von Marx, Stalin, Lenin und Mao - und einem Berliner Alexanderplatz.

Bei der «Götterdämmerung» zeigte die Kulisse wahlweise eine schäbige Straßenecke samt Mauerrest und Dönerbude in Berlin, ein «Plaste und Elaste»-Logo aus DDR-Zeiten oder die New Yorker Börse. Gestapelte Ölfässer erinnerten an Castorfs Leitmotiv - Geld, Macht und Gier - das sich durch seine «Ring»-Inszenierung ziehen sollte. Schlüssig war das nicht immer. Unklar war auch immer wieder, warum sich welche Szene vor welchem Kulissen-Abschnitt abspielte. Oft wirkte es, als gebe es keinen Zusammenhang zwischen Inhalt und Szenerie.

Was von Castorfs «Ring» ebenfalls in Erinnerung bleiben wird, sind die grandiosen Sänger. Stimmgewaltig und mit starker Bühnenpräsenz - allen voran die gefeierte Brünnhilde-Sängerin Catherine Foster - zogen sie die Konzentration der Zuschauer immer wieder auf sich.

Festspielchefin Wagner ist zufrieden: «Frank Castorf wurde engagiert, weil er eine ganz eigene Ästhetik hat und weil er in Bayreuth eine völlig neue Sichtweise auf das Stück bringen sollte. Und das hat er wirklich getan.» Ob der langjährige Intendant der Berliner Volksbühne irgendwann zurückkehren wird? «Soweit waren wir jetzt noch nicht», sagte Wagner. Ausgeschlossen scheint es nicht zu sein.

Auf ihrer Facebook-Seite dankten die Festspiele Castorf jedenfalls «für einen aufregenden «Ring» von 2013 bis 2017» und veröffentlichten ein Foto, das den Regisseur während des Schlussapplauses lächelnd hinter der Bühne zeigt.

Spielplan der Bayreuther Festspiele 2017

Bayreuther Festspiele bei Facebook

zur Startseite

von
erstellt am 04.Aug.2017 | 15:34 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Die Kommentare wurden für diesen Artikel deaktiviert