Aufführung in Berlin : Utopie mit Glaskasten: Sasha Waltz zeigt «Exodos»

Gefangen im Glaskasten: Die Tänzer Yael Schnell (l) und Nicola Mascia.
Gefangen im Glaskasten: Die Tänzer Yael Schnell (l) und Nicola Mascia.

In ihrem neuen Stück «Exodos» hat Sasha Waltz die Trennung zwischen Bühne und Zuschauerraum aufgehoben. Wichtige Themen werden verhandelt: Es geht um Flucht, Utopien und Grenzüberschreitungen.

shz.de von
24. August 2018, 09:28 Uhr

Seile, ein riesiger Plexiglaskasten und Kostüme, bei denen die Ärmel an der falschen Stelle runterbaumeln: In ihrer Tanz-Performance «Exodos» spielt die Berliner Choreographin Sasha Waltz mit verschiedenen Stilelementen und den Gewohnheiten von Theatergängern.

So entsteht ein ungewöhnliches Stück, das die Tänzerinnen und Tänzer ihrer Truppe am Donnerstagabend im Radialsystem in Berlin uraufgeführt haben.

Am Anfang ziehen mehrere Darsteller einen Tänzer an Seilen vom Boden bis fast unter die Decke der Aufführungshalle. Im dunklen Raum behindert Kunstnebel die Sicht. Allmählich betreten immer mehr Zuschauer den Saal, laufen herum, verteilen sich. Nebenan füllt sich ein zweiter Raum, der durch Türen mit dem anderen verbunden ist, ebenfalls mit Gästen. Feste Plätze gibt es nicht. Die Zuschauer stehen. Im zweiten Raum gibt es am Rand zumindest lange Sitzbänke.

Zu dumpfen Tönen, teils auch Grollen bewegen sich die Darsteller durchs Publikum. Manche erinnern an Flüchtlinge, sie schleppen andere auf dem Rücken. Themen des Stücks sind Flucht und Utopien, das Überschreiten von Grenzen, die Ekstase und der wilde Tanz durch die Nacht. In der Aufführung, die zwei Stunden und vierzig Minuten dauert und keine Pause hat, ändern sich Tempo und Atmosphäre mehrfach.

Die erste knappe Stunde kommt ohne erkennbare Tanzformation aus. Stattdessen bewegen sich Publikum und Darsteller umeinander herum. Im weiteren konzentriert sich alles nur noch in einem Raum. Die Klangfarbe (Musik: Soundwalk Collective) wechselt. Es gibt eindrucksvolle Gruppenbilder mit und ohne Plexiglaskasten. Das Publikum wurde dafür vorher an den Rand geschoben. Darsteller zucken zu Elektrosounds, bewegen sich wie in Zeitlupe oder wie überdimensionale Insekten. Am Ende bekommt die Truppe ausdauernden Applaus.

Tanzregisseurin Sasha Waltz (55) feiert in diesem Jahr den 25. Geburtstag ihrer Gruppe. Waltz selbst wird mit dem Choreographen Johannes Öhman künftig auch das Staatsballett Berlin als Doppelspitze führen. Öhman hat seine Arbeit kürzlich aufgenommen. Waltz startet ab der Spielzeit 2019/2020.

«Exodos» ist eine Koproduktion mit der Ruhrtriennale und wird im September auch in Bochum zu sehen sein.

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