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70 Jahre nach dem Tod des Holocaust-Opfers : Urheberrechtsstreit um Tagebuch der Anne Frank

vom

70 Jahre nach dem Tod Anne Franks enden ihr Urheberrecht. Die Rechteinhaber wollen ihren Vater zum Mitautor erklären.

shz.de von
erstellt am 17.Nov.2015 | 15:34 Uhr

Anne Frank ist durch ihr Tagebuch, das sie im Versteck vor den Nazis schrieb, weltberühmt geworden. Ihr Vater Otto Frank hatte es 1952 veröffentlicht. Und jetzt, 70 Jahre nach dem Tod Anne Franks, ist ein Urheberrechtsstreit um das Tagebuch entbrannt: Der Schweizerische Anne-Frank-Fonds, der die Urheberrechte hält, hat laut New York Times Otto Frank als Mitautor genannt. Weil der erst 1980 verstorben ist, würden die Urheberrechte entsprechend erst 2050 enden. Und das würde bedeuten, dass die Stiftung in Europa weiterhin Geld mit den Urheberrechten verdienen kann. In den USA hingegen erlischt das Copyright laut New York Times ohnehin erst später: im Jahr 2047, 95 Jahre nach der Erstveröffentlichung.

Anne Frank ist 1945 im Konzentrationslager in Bergen-Belsen ums Leben gekommen. Zuvor hatte sie sich jahrelang mit ihrer Familie in einem Hinterhaus in Amsterdam vor den Nationalsozialisten versteckt. Dort schrieb sie ihre Tagebücher. Nach ihrem Tod veröffentlichte ihr Vater Otto Frank die Schriften.

Das Argument der Stiftung: Otto Frank habe sich durch seine Rolle als erster Lektor ein Bearbeitungs- und damit ein eigenständiges Urheberrecht erworben. So fasst es das Institut für Urheber- und Medienrecht zusammen, das dabei auf einen Bericht der Frankfurter Allgemeinen Zeitung zurückkommt. Doch dann müssten sich die Verfasser Gedanken machen über das, was sie bis dahin immer behauptet hatten: dass Anne Frank die alleinige Autorin ihres Tagebuchs wäre. So zitiert die New York Times in ihrem Bericht vom 13. November die Pariser Urheberrechtlerin Agnès Tricoire.

Diesen Versuch der Schweizer Stiftung wollen aber nicht alle hinnehmen. So hat der Fonds der New York Times zufolge auch mit einer weiteren Organisation Streit. Die Amsterdamer Stiftung, die auch das Anne-Frank-Haus betreibt, arbeite schon länger an einer Online-Version des Tagebuchs, die Anfang des nächsten Jahres veröffentlicht werden sollte. Maatje Mostart, eine Sprecherin des Anne-Frank-Hauses, sagte, dass noch nicht sicher sei, ob das Tagebuch dann veröffentlicht werde. Doch weder Otto Frank noch jemand anders sei Mitautor des Tagebuchs.

Der Anne-Frank-Fonds wurde von Otto Frank 1963 in Basel gegründet - als das Tagebuch bereits Gewinne abwarf. Für den Fall, dass durch das Erlöschen der Autorenrechte einmal keine Einnahmen mehr zu erwarten seien, so die FAZ, hatte Frank festgelegt, dass der Anne-Frank-Fonds aufgelöst werden sollte.

 

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