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Von „Social-Freezing“ und „Islam-Rabatt“ : Unwort des Jahres 2014: Jury nennt die Favoriten

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Aus der Onlineredaktion

2013 war es der Sozialtourismus – doch welches Unwort hat in diesem Jahr am schwersten in unseren Wortschätzen gewütet? Die Jury hat die Favoriten für das Unwort des Jahres bekannt gegeben. Noch kann jeder mitmachen.

Darmstadt | Das Jahr 2014 hat mal wieder das Verräterische an der Sprache aufgezeigt. Robert Leicht, Korrespondent von der „Zeit“, empfahl dem „Putin-Versteher“ Gerhard Schröder beispielsweise, sich mit seinen Ratschlägen etwas mehr zurückzunehmen und formierte damit ein neues Schimpfwort für die Dissidenten der deutschen Außenpolitik. „Hier kann doch keiner steuerehrlich sein“, sagte Börsenexperte Dirk Müller zum Fall des Steuerhinterziehers Uli Hoeneß und ließ tief blicken. Apples und Facebooks Initiative zum „Social-Freezing“ zeigte uns den prekären Euphemismus von Übersee. Und die „Bild“ schuf mit dem „Islam-Rabatt“ eine geflügelte Schublade für vermeintliche Ungerechtigkeiten in der deutschen Justiz.

Wie die Unwort-Jury am Dienstag in Darmstadt bekannt gab, sind bislang mehr als 500 Vorschläge für das Unwort des Jahres eingegangen – darunter 370 verschiedene. Neben besagten gehören auch die beiden Sprachfallen „Sterbehilfe-Tourismus“ und „Armutszuwanderung“ zu den sechs Favoriten für das Unwort. Beide klingen dem „Sozialtourismus“ sehr ähnlich, der im vergangenen Jahr die Plakette erhielt. Bis Jahresende können Bürger weitere Vorschläge schriftlich und unter Angabe der Quelle einsenden. Den eigentlichen Urheber der Unwörter herauszufinden, ist dabei manchmal nicht ganz leicht. Das Unwort des Jahres wird Mitte Januar 2015 auf einer Pressekonferenz an der TU Darmstadt bekannt gegeben.

Die sprachkritische Aktion wurde 1991 von dem Frankfurter Germanistikprofessor Horst Dieter Schlosser ins Leben gerufen. Schlosser war bis 2010 auch Vorsitzender und Sprecher der Jury und wurde 2011 von Nina Janich abgelöst. Die Aktion soll nach Eigenbeschreibung auf unangemessene Formen des öffentlichen Sprachgebrauchs aufmerksam machen und dadurch Sprachsensibilität in der Bevölkerung fördern.

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erstellt am 21.Okt.2014 | 14:49 Uhr

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