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Kultur

22. August 2017 | 19:27 Uhr

Über sieben Brücken

vom

Von Martin Schulte

Wenn Peter Maffay gerade mal nicht singt, dann fährt er meistens etwas, das ziemlich schnell ist und zwei bis vier Räder hat.

"Mit vielen anderen teile ich eine Leidenschaft für alles, was einen Motor hat", sagt der Musiker über sich selbst. Im Mai ist er zuletzt auf seiner Harley-Davidson durch Schleswig-Holstein gekreuzt. Eine Tour für den guten Zweck war das, Maffay ist ein sehr sozialer Mensch.

Von Maffay auf dem Motorrad zu Schleswig-Holsteins Sorgenbrücke Nummer eins ist es lediglich ein kleiner Dreher am Gashebel, aber nur die grobschlächtigsten unter den Kolumnenschnitzern würden in diesen schweren Brücken-Tagen auf die Idee kommen, Maffays bekannteste Hymne über die aktuelle Situation im Land zu stülpen.

Tatsächlich kann aber nicht ausgeschlossen werden, dass Maffay leise "Über sieben Brücken" sang, als er zuletzt über den Nord-Ostsee-Kanal gefahren ist: "Manchmal scheint die Uhr des Lebens still zu stehen, manchmal scheint man immer nur im Kreis zu gehen." Es ging ja nicht mehr viel auf der Rader Hochbrücke in diesen Tagen, nicht mal im Kreis.

"Hör mir auf mit sieben Brücken" ruft deshalb der schleswig-holsteinische Automobilbesitzer, "eine einzige, die funktioniert, würde ja schon reichen."

Die Brücke kann, das ist bekannt, nicht nur befahren werden, sie ist auch eine der Königsmetaphern der deutschen Sprache: Wer Brücken baut, der schafft Verständnis und macht sich um den Austausch verdient. Es gibt Brücken vom Gestern ins Heute, Brücken zwischen Ländern, Luftbrücken, Brücken von der Literatur in die Kunst - aber wer will über Metaphern gehen, wenn schon die echten Brücken nicht halten, was sie versprechen?

Derzeit verkommt das Wort Brücke zu einem Schlüsselreiz für spontane Aggressionen. Und Verständnis, so scheint es, ist im Fall der maroden Rader Hochbrücke nicht angebracht. Man muss es in diesen Zeiten des Stillstands wohl oder übel mit dem Harleyfahrer Maffay halten: "Manchmal geh ich meine Straße ohne Blick, manchmal wünsch ich mir mein Schaukelpferd zurück." Das kam zwar auch nicht recht voran, hat aber wenigstens glücklich gemacht.

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erstellt am 03.Aug.2013 | 05:59 Uhr

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