Herzversagen : Udo Jürgens - Trauer um einen großen Entertainer

Udo Jürgens starb bei einem Spaziergang.
Udo Jürgens starb bei einem Spaziergang.

Der Sänger und Komponist brach bei einem Spaziergang zusammen. Sein musikalisches Vermächtnis: 1000 Songs, etliche Superhits.

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21. Dezember 2014, 18:34 Uhr

Der Sänger und Komponist Udo Jürgens ist tot. Der Interpret von Liedern wie „Griechischer Wein“ und „Es wird Nacht, Señorita“ starb am Sonntag im Alter von 80 Jahren bei einem Spaziergang in der Schweiz. Das teilte sein Management mit. Er sei in Gottlieben im Kanton Thurgau bewusstlos zusammengebrochen.

Trotz sofortiger Wiederbelebungsmaßnahmen sei der Künstler im Krankenhaus von Münsterlingen um 16.25 Uhr an Herzversagen gestorben. Udo Jürgens Manager Freddy Burger, Pepe Lienhard und das ganze Tourneeteam seien „geschockt und in großer Trauer“, hieß es in einer Mitteilung. Nach den Konzerterfolgen der aktuellen Tournee seien alle erschüttert und fassungslos über den unerwarteten und plötzlichen Tod ihres Freundes. Udo Lindenberg (68) zeigte sich ebenfalls betroffen über den Tod von Jürgens: „Bin tief geschockt. Ein schmerzlicher Verlust“, schrieb der in Hamburg lebende Rocksänger der Deutschen Presse-Agentur in einer SMS.

Noch Ende November hatte Udo Jürgens in Hamburg auf der Bühne gestanden - im Rahmen seiner Tournee „Mitten im Leben“. In der ausverkauften O2 World begeisterte er drei Stunden lang die Fans mit alten und neuen Hits. „In keiner einzigen Stadt der Welt bin ich so oft gewesen wie in Hamburg“, sagte Jürgens während des Konzerts rückblickend auf seine 50-jährige Karriere. Am 24. Februar 2015 wollte er wieder in der Hansestadt auf der Bühne stehen.

Im Netz verleihen viele ihrer Trauer um den großen Entertainer Ausdruck - auch SPD-Bundesvize Ralf Stegner.

Hits mit klugen Texten waren sein Markenzeichen - und sind nun als Evergreens sein Vermächtnis. Er schickte Klatschtanten humorvoll in den Sahnetod und machte griechischen Wein zum Ohrwurm. Er entlarvte Spießigkeit und Heuchelei in ehrenwerten Häusern. Und immer, immer wieder ließ Udo Jürgens die Hoffnung und die Liebe hochleben lassen. Jetzt ist der große Entertainer im Alter von 80 Jahren gestorben. Hits mit klugen Texten zu wunderbaren Melodien waren sein Markenzeichen - und sind nun als Evergreens sein Vermächtnis.

Seine Erfolge schmücken Rekordstatistiken: Jürgens komponierte in einer mehr als ein halbes Jahrhundert umspannenden Erfolgskarriere über 1000 Songs, von denen etliche Superhits wurden. Er spielte mehr als 50 Alben ein und verkaufte mehr als 100 Millionen Tonträger.

Seine Live-Auftritte mit Hits wie „Es wird Nacht, Señorita“, „Aber bitte mit Sahne“, „Griechischer Wein“ oder „Ich war noch niemals in New York“ waren lange Zeit einfach Kult. Bei Tourneen durch fast ganz Europa erlebten Millionen Udo Jürgens auf der Bühne - samt seiner legendären Zugaben im weißen Bademantel.

So wird er seinen Fans in Erinnerung bleiben: Der österreichische Schlagersänger und Komponist Udo Jürgens steht am 23. Januar 2009 zum Ende seines Konzerts in Berlin im Bademantel auf der Bühne
dpa
So wird er seinen Fans in Erinnerung bleiben: Der österreichische Schlagersänger und Komponist Udo Jürgens steht am 23. Januar 2009 zum Ende seines Konzerts in Berlin im Bademantel auf der Bühne
 

Schon als Junge spielte der 1934 in Klagenfurt geborene Sohn der großbürgerlichen deutsch-österreichischen Familie Bockelmann Mundharmonika und Akkordeon, bald auch Klavier. Doch beinahe wäre in der ungeliebten Hitlerjugend die Musikerkarriere des Udo Jürgen Bockelmann verhindert worden: Damals bekam das junge Talent eine so brutale Ohrfeige, dass dadurch seine Hörfähigkeit auf einer Seite vermindert wurde.

Krieg und Nachkriegszeit seien auch für ihn bedrückende Jahre gewesen, berichtete Jürgens 2004 in seinem Bestseller „Der Mann mit dem Fagott“. Damals entstand wohl schon jenes „unstillbare Harmoniebedürfnis“, zu dem Jürgens sich stets bekannte.

Manch anderen in der Unterhaltungsbranche hätte so ein Grundgefühl zu watteweichem Schmusekitsch verleiten können. Jürgens hingegen bewies als „Chansonnier deutscher Sprache“, dass Popmusik und geistiger Anspruch keineswegs Gegensätze sein müssen. Dafür verlieh ihm die Republik Österreich 1985 den Berufstitel „Professor“ - und das, obwohl Jürgens längst in die steuerfreundliche Schweiz umgezogen war, wo der Millionär zuletzt in einer Villa am Zürichsee wohnte.

Den internationalen Durchbruch hatte sich der spätere „Schlager-Professor“ 1966 bei seiner dritten Teilnahme am Eurovision Song Contest (damals noch: Grand Prix Eurovision) mit einem Lied ersungen, das auf der langen Liste seiner Evergreens weit oben steht: „Merci Chérie“.

Lange danach sang Jürgens zur Begeisterung vieler Rentner „Mit 66 Jahren, da fängt das Leben an. Mit 66 Jahren, da hat man Spaß daran.“ Doch auch mit fast 80 war für ihn an Ruhestand gar nicht zu denken. Da hatte er gerade ein neues Album veröffentlicht - mit dem leicht koketten Titel „Mitten im Leben“.

„Dass ich dieses Album schreiben konnte, in diesem Alter, das erfüllt mich mit einer unheimlichen Hoffnung“, sagte er der dpa damals. Bei der zum 80. geplanten „Mitten im Leben“-Tournee sei sein Ziel genau das selbe wie bei all seinen früheren Bühnenshows: „Die Menschen sollen den Konzertsaal glücklich verlassen.“

Als Vorteil hohen Alters sah der einst auch als Schürzenjäger bekannte Star an, was für den Kaffeeklatsch freilich eher betrüblich ist: dass er schon lange nicht mehr mit Frauengeschichten von sich reden machte. In den „wilden Jahren“ sei es hingegen ganz schon hoch hergegangen, sagte er einmal der dpa. „Ich bin ein Zeitzeuge der 60er und 70er Jahre. Und jeder, der diese Zeit erlebt hat, weiß wovon ich rede.“

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