«Steelfactory» von U.D.O. : Udo Dirkschneider: Unverwüstlich in der Stahlfabrik

U.D.O. arbeiten sich in der «Steelfactory» ab.  
U.D.O. arbeiten sich in der «Steelfactory» ab.  

Udo Dirkschneider ist eine deutsche Legende im Heavy Metal. Seit 40 Jahren gibt der frühere Accept-Sänger seinen Fans das, was sie von ihm erwarten. Sein neustes Album «Steelfactory» wird sie nicht enttäuschen.

shz.de von
06. September 2018, 13:00 Uhr

Seit 40 Jahren steht der unverwüstliche Udo Dirkschneider für traditionellen Heavy Metal der Marke made in Germany. Zuletzt widmete er sich seiner überaus erfolgreichen Dirkschneider-Tour, auf der er ausschließlich alte Accept-Klassiker spielte.

Kaum ist dieses Kapitel beendet, liegt schon das 16. Studio-Album seiner Hauptband U.D.O. in den Ladenregalen. «Steelfactory» fängt den Spirit der alte Accept perfekt ein. «Wenn du in dem Modus bist und fast 300 Shows mit Accept-Songs spielst, färbt das auf das Komponieren ab», erzählt das Szene-Original im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur.

Verschnaufpausen gibt es bei Udo nur selten. Mit seinen 66 Jahren fängt bei ihm das Leben zwar nicht erst richtig an, ein Ende ist aber bei weitem nicht in Sicht. Dafür ist der gebürtige Wuppertaler viel zu gut in Form. Innerhalb von zwei Wochen hat seine Band das neue Langeisen eingespielt. Sich neu erfinden wird Dirkschneider nicht mehr. Das braucht er auch nicht. Er liefert den Fans konstant das, was sie von ihm erwarten: Bodenständigen, schnörkellosen Oldschool-Metal garniert mit seiner charismatischen Reibeisen-Stimme.

«Ich könnte auch mit einem Blues-Album kommen, das klänge bestimmt interessant. Das wollen die Fans aber nicht hören. Ich habe ein Image, und die Leute erwarten gewisse Dinge von mir», macht er deutlich.

Sein Image sind die raspelkurzen Haare und der Tarnanzug. Den trägt er schon seit den frühen 80er Jahren. Damals schwatzte ihm die Accept-Managerin Gabi Hoffmann das gute Stück auf, weil sie wollte, dass sich die Band aus der Masse abhebt. «Wir sind damals in einen Militärladen in Hamburg gegangen. Sie meinte dann zu mir, probier das doch mal an. Ich fand das eigentlich nicht so toll», erinnert er sich: «Heute ist das Fashion, doch damals bist du mit diesen Tarnklamotten in der rechte Ecke verortet worden.»

Damals sorgten Dirkschneider und seine Band als Exportschlager der Klingenstadt Solingen weltweit für Furore. Accept spielten auf Festivals vor 100.000 Leuten und bereitete mit ihrem für damalige Verhältnisse knallharten Sound den Weg für spätere Megaseller wie Metallica. «Als ich Accept gegründet habe, war mein Motto: Ich will die härteste und lauteste Band in Deutschland sein. Das hat dann auch geklappt. So wie die Scorpions wollten wir nicht klingen», erzählt Dirkschneider.

Ähnliche internationale Erfolge wie die der Scorpions schwebte allerdings dem Management und der Plattenfirma vor. Die Band sollte sich am amerikanische Markt orientieren und radiotauglicher werden. Dazu passte angeblich Dirkschneiders Stimme nicht. So kam es vor 31 Jahren zur Trennung. Dirkschneider nennt es Rauswurf. Die Geschichte von damals nagt immer noch an ihm. Die Umstände waren schmerzhaft. «Accept sind mein Baby gewesen. Dann aus der eigenen Band geschmissen zu werden, ist eine harte Nummer. Da sind Sachen gelaufen, die waren unter der Gürtellinie», sagt er.

Seitdem ist viel Zeit vergangen. Dirkschneider hat U.D.O. gegründet und seinen Stil weiter konsequent durchgezogen. Er hat die 90er Jahre, als Grunge den Heavy Metal ins Abseits gedrängt hat, einigermaßen schadlos überstanden. Er ist mit sich und seinem Umfeld zufrieden. Das wilde Partyleben sei natürlich vorbei. Vor 15 Jahren hat er das Rauchen aufgegeben. «Alles Kopfsache», sagt er: «Ich hatte früher zu meinen Anfängen auch ein ziemliches Alkoholproblem, das ich habe ich dann aber auch ablegen können.»

Seit zehn Jahren lebt er auf Ibiza. Dort ist sein Rückzugsort vom Heavy Metal, dort lässt er es ruhiger angehen. «Wenn ich von einer Tour nach Hause komme, muss ich jetzt nicht unbedingt Motörhead auflegen. Ich sitze dann ganz gerne bei einem Glas Wein an der Strandbar und höre Chillout-Musik wie Café del Mar», verdeutlicht er. Auch Rasenmähen oder im Supermarkt einkaufen gehen, gehören zu seinen alltäglichen Beschäftigungen abseits der Bühne.

Neuland betritt Dirkschneider nun mit einer im September gestarteten TV-Kochshow, die auf DMAX ausgestrahlt wird. Die Rock-Legende lädt hierzu Leute aus dem Rock'n'Roll-Business ein. Seine Gäste sollen ihr Lieblings-Rezept mit bringen, das von einem Profikoch zubereitet wird. In lockerer Atmosphäre plaudert der gute Udo mit den Musiker und versucht ihnen dabei, das eine oder andere Backstage-Geheimnis zu entlocken.

Essen auf Tour ist zum Beispiel ein Thema. «Was da einem manchmal als Catering vorgesetzt wird, ist eine Unverschämtheit», weiß er aus eigener leidvoller Erfahrung zu berichten. Weitaus besser schmeckte ihm eine «superscharfe» Currywurst mit dem Namen «Tongue Reaper», die er in einem Wilhelmshavener Restaurant gegessen hat. Die Bezeichnung gefiel ihm so gut, dass ein gleichnamiger Titel auf dem neuen Album vertreten ist.

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