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"Tristan und Isolde": Purer Musikgenuss

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erstellt am 03.Aug.2013 | 05:59 Uhr

Lübeck | Mit Violeta Urmana und Peter Seiffert in den Titelpartien hat der zweite Akt aus Richard Wagners "Tristan und Isolde" in der Lübecker Musik- und Kongresshalle die Flamme der Leidenschaft entfacht. "Seliges Glühen" war der Abend überschrieben, seliges Glühen war zu spüren. Wie das Publikum applaudierte am Ende auch das junge Festival Orchester den Leistungen der Sänger - und den eigenen. Unter Leitung Semyon Bychkovs war es zu prächtiger Form aufgelaufen.

Man kommt, um sie zu hören: Violeta Urmana. Sie liefert Musik pur, der das Publikum atemlos folgte. Schon nach den ersten Takten zeigte sich im Dialog Isoldes mit Brangäne (Janina Baechle, Mezzosopran) die Ausgewogenheit der Stimmen, die mit Seifferts Tenor ihren vorläufigen Höhepunkt erreichte. Der Auftritt Franz-Josef Seligs als Marke nämlich schaffte ebenfalls Bemerkenswertes: Da gelang es dem Bass, die Menschen zu fesseln. Den Abend komplettierten die Baritone David Wilson-Johnson als Melot und Yannick Debus als Kurwenal.

Der zweite Akt, von Wagner "Aufzug" genannt, ist in weiten Teilen Ton gewordene Erotik, die in Lübeck zum Greifen war. Tristan und Isolde lassen sich in eine verbotene Leidenschaft zueinander fallen, ein "seliges Glühen", das bald ein tragisches Ende findet, denn Isolde ist Markes Frau und Tristan dessen Ritter. Dass dies tragisch enden muss, ist im kollektiven Über-Ich verankert, dass der - noch mit Minna verheiratete - Wagner im "Tristan" mit der unerfüllbaren Liebe zu Mathilde Wesendonck eine seiner vielen Frauengeschichten verarbeitet hat, ist Allgemeinwissen. In Lübeck gelang das Meisterstück, die göttliche Kunst eines sehr menschlichen Mannes transparent zu machen.

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