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Interview vor Kinostart von „Tschiller: Off Duty“ : Til Schweiger: „Ich kann über meine eigene Doofheit lachen“

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Der Tatort-Ermittler über seine Absicht, keinen Film mehr mit Waterboarding oder einem Kalaschnikow-Überfall zu beginnen.

Hamburg | Nach vier Hamburg-Einsätzen im TV-„Tatort“ wechseln die Kommissare Nick Tschiller und Yalcin Gümer nicht nur den Schauplatz, sondern gleich das Medium. Der große Showdown der bisherigen Geschichten findet auf der Kinoleinwand statt. Dafür schlüpft Til Schweiger (52) wieder in die Rolle des beinharten Ermittlers und aufopfernden Vaters. „Tschiller: Off Duty“ wird ab Donnerstag in den Kinos gezeigt.

Herr Schweiger, es sind zwei Themen, ohne die heutzutage kein kabarettistisches Programm auszukommen scheint: der neue Flughafen in Berlin und Til Schweiger. Nervt das oder nehmen Sie es als Kompliment?

Das muss man auch erst mal schaffen! (lacht) Es nervt mich nicht, aber ich nehme es auch nicht als Kompliment. Ich kenne nicht alles, aber es gibt Sachen, die finde ich extrem witzig. Zum Beispiel diese Reihe von SWR 3. Es gibt auch viele Kabarettisten, die ich generell nicht lustig finde. Auch dann nicht, wenn sie über mich Witze machen. Aber wenn jemand wirklich saukomisch ist, dann kann ich gut darüber lachen, auch wenn es auf meine Kosten geht. Das halte ich für eine Qualität. Ich konnte schon immer gut über mich selbst lachen, über meine eigene Doofheit und die Fehler, die ich mache.

Hat Sie der Erfolg Ihres letzten Kinofilmes „Honig im Kopf“ überrascht?

Ja. Ich hatte damit gerechnet, dass wir vielleicht drei Millionen Zuschauer schaffen könnten. Und das war schon sehr positiv gedacht. Keiner hat damit gerechnet, dass es dann am Ende 7,3 Millionen werden. Wir hätten nicht gewagt, davon zu träumen.

Um einen Strich unter die letzten beiden „Tschiller“-Fernsehtatorte zu machen: Ist man intern mit dem Erfolg zufrieden? Und können Sie manche der Kritiken nachvollziehen?

Wir sind natürlich nicht zufrieden. Wir wollten im November laufen, und dann hätten wir auch andere Quoten erreicht. Da sind sich alle einig. Unsere „Tatorte“ waren wohl zu brutal für die Neujahrszeit. Sie haben zu brutal angefangen. Aber hinterher ist man immer schlauer. Ich hätte es gern gesehen, dass die Filme eher laufen, aber das stand nicht in meiner Macht. Insofern waren wir mit den Quoten nicht wirklich glücklich. Nichtsdestotrotz bin ich davon überzeugt, dass das zwei hochwertige Filme sind. Insofern kann ich die Kritik an diesen Filmen in keinster Weise verstehen.

Wird es mit „Tschiller“ weitergehen?

Im Moment ist es geplant. Ich habe für vier weitere Folgen unterschrieben, und wir wollen uns im März alle zusammensetzen, wenn der Film im Kino ist und wir wieder Zeit haben. Sender, Regie, Schauspieler und Produktion überlegen dann gemeinsam, wie wir weitermachen. Wir werden Tschiller nicht neu erfinden, Tschiller bleibt der Tschiller. Aber natürlich können wir im Fernsehen nicht mehr annähernd toppen, was wir im Kinofilm gemacht haben. Er hat wahnsinnig viel erlebt, und jetzt müssen wir sehen, was für eine Richtung wir ihm geben. Ich freue mich darauf, das gemeinsam zu erarbeiten.

Werden Sie einen Gang herunterschalten?

Nein, das wohl nicht. Aber wir haben sicherlich gelernt, dass wir einen Film nicht mehr mit Waterboarding oder einem Kalaschnikow-Überfall anfangen (lacht). So etwas wird in Zukunft am Ende passieren. Wir haben die Leute erschreckt, das konnte man an den Kurven der Einschaltquoten regelrecht sehen. In den ersten drei Minuten haben jedes Mal zwei Millionen Leute weggeschaltet. Es war ihnen einfach zu viel. Viele, vor allem jüngere Zuschauer, haben es auch toll gefunden und die Filme gefeiert. Und etliche ältere haben schnell zum „Traumschiff“ und zum „Bergdoktor“ umgeschaltet.

 

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erstellt am 02.Feb.2016 | 11:00 Uhr

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