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Truth Is A Beautiful Thing : Tiefe Gefühle: Neues Album von London Grammar

vom

Vier Jahre haben London Grammar sich Zeit gelassen, um ihr zweites Album zu produzieren. «Truth Is A Beautiful Thing» klingt sphärisch und poppig zugleich.

shz.de von
erstellt am 12.Jun.2017 | 11:51 Uhr

Als London Grammar sich kennenlernten, wollten sie einfach nur gemeinsam Musik gemacht. Dass die drei Bandmitglieder einmal nahezu jede Minute miteinander verbringen würden, hätten sie damals nicht gedacht.

«Am Anfang haben Dan und ich uns ein Zimmer geteilt und wir sind verrückt geworden. Wir konnten uns getrennte Räume nicht leisten. Unser Tourmanager musste uns trennen, weil wir drauf und dran waren, uns an die Gurgel zu gehen», erzählt Dot Major, der in der Band Schlagzeug, Klavier und jede Menge andere Instrumente spielt.

Noch etwas müde vom frühen Aufstehen sitzen Major, Sängerin Hannah Reid und Gitarrist Dan Rothman in einem Hotel in Berlin, trinken Tee, lachen, scherzen, wirken entspannt. Mittlerweile seien sie «wie Geschwister», sagt Major. Zweieinhalb Jahre waren London Grammar mit ihrem ersten Album «If You Wait» (2013) auf Tour, eine intensive Zeit, die eng zusammengeschweißt hat.

Aber auch die Auszeit danach sei wichtig gewesen, meint Reid, denn Erfolg könne einen negativen Einfluss auf Musik haben. Deshalb sei es wichtig für Bands nach der Tour einen Schnitt zu haben, bevor sie wieder ins Studio gehen. «Ich habe auch meine Freundinnen sehr vermisst», sagt Reid «es war gut danach mal wieder zuhause zu sein». Inzwischen ist das zweite Album «Truth Is A Beautiful Thing» fertig.

«'Truth Is A Beautiful Thing' ist der letzte Titel des Albums, er fasst zusammen, was immer wieder aufkommt: Wahrheit und die unterschiedliche Auffassung der Leute davon», erzählt Reid. Politisch gemeint sei der Titel nicht. Aber «es ist komisch», sagt sie, «wenn wir Parallelen sehen, zwischen den Songs und dem was politisch so los ist». Ihre Texte seien allerdings eher persönlich gemeint.

Auf dem neuen Album geht es wieder um tiefe Gefühle: die Suche nach der Wahrheit in der Liebe, Verletzlichkeit und unterschiedliche Hoffnungen in einer Beziehung. Angst vor Einsamkeit und davor, Erwartungen nicht erfüllen zu können. Die Suche nach der eigenen Identität und den Träumen. Andere Tracks wie «Hell To The Liars» zelebireren dagegen das Leben.

Wie schon beim Vorgängeralbum ist es vor allem Reids einzigartige Stimme, die den Hörer in die Lieder reinzieht: Mal tief und erwachsen klingend, mal hell und klar, mal kraftvoll, mal säuselnd und zerbrechlich, immer ist sie das hervorstechende Merkmal der Songs.

Unter den elf Liedern gibt es viele Balladen, einige sind schlicht, nur ein Klavier begleitet die Stimme der Sängerin. Andere klingen sphärischer, Reid wird von Celli begleitet, Gitarre und Keyboard. Mehrmals wird Reids Stimme übereinander gelegt, in «Non Believer» singt sie zusammen mit einer roboterartigen Stimme.

Die Band wollte mit «Truth Is A Beautiful Thing» etwas Neues schaffen, gleichzeitig aber auch die Fans nicht enttäuschen. Die Entscheidung, welche Tracks auf das Album kommen, war nicht leicht, erzählt die Sängerin. Manchmal müsse man es aber einfach versuchen und loslassen. «Wir sind eine Band, aber wir erleben Musik unterschiedlich. Es gab da einige Diskussion», fügt sie grinsend hinzu. Major meint: «Es ist ein bisschen atmosphärischer. Aber es klingt noch wie wir. Hoffe ich zumindest.»

Gerade weil «Truth Is A Beautiful Thing» sehr nach dem ersten Album von London Grammar klingt, bleibt allerdings die leise Hoffnung, dass sich die Band auf dem dritten Album ein Stück weiter wagt.

Website London Grammar

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