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Landestheater : Theater im Aufsichtsrat: Alles eine Frage der Taktik

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Lange gab es keine Neuigkeiten aus dem Landestheater - und die Mitarbeiter werden langsam ungeduldig. Jetzt soll das Kontrollgremium der GmbH am Freitag einen neuen Vorsitzenden wählen. Ob das klappt, steht allerdings noch in den Sternen.

Rendsburg | Es ist still geworden um das Landestheater. Nach dem Rücktritt des Aufsichtsratsvorsitzenden Jörn Klimant im März gab es keine offiziellen Stellungnahmen mehr, keine öffentlichen Konflikte, keine personellen Veränderungen. Ensemble und Leitung machen weiter im Programm, auf der Homepage des Theaters ist die Welt noch in Ordnung und der Dithmarscher Landrat Klimant immer noch erster Mann des Kontrollgremiums.

Vielleicht wird dieser Eintrag am Freitag geändert, dann kommt der Aufsichtsrat ab 14 Uhr in Rendsburg zu einer weiteren Sitzung zusammen, dann soll auch ein neuer Vorsitzender gewählt werden. Eigentlich. Denn ob es tatsächlich so kommen wird, darüber wird derzeit in den Gesellschafterkreisen spekuliert. Hinter vorgehaltener Hand, öffentlich äußern will sich kaum jemand. „Es sind ja einige Namen genannt worden, aber es gibt noch keinen offiziellen Kandidaten“, sagt immerhin Clemens Teschendorf, Sprecher des größten Gesellschafters Flensburg.

Pierre Gilgenast, Bürgermeister der Stadt Rendsburg wird gehandelt, oder Wolfgang Buschmann, Landrat des Kreises Schleswig-Flensburg. Auch der Name des Schleswiger Bürgermeisters Arthur Christiansen soll gefallen sein. Schleswig hätte dann zwar immer noch keine neue Spielstätte, aber immerhin einen starken Mann in der GmbH, der die Interessen des angeschlagenen Gesellschafters vertreten könnte.

Entscheidend wird sein, was der Hauptgesellschafter Flensburg will. In der Fördestadt hat man offensichtlich keinen Favoriten, und wenn, würde man ihn gewiss nicht öffentlich nennen. Die Flensburger haben spätestens seit dem Klimant-Rücktritt die Rolle des Buhmanns unter den Gesellschaftern besetzt, dementsprechend zurückhaltend ist die Rhetorik – zumindest öffentlich.

Alles eine Frage der richtigen Taktik also, denn allen Gesellschaftern ist klar, dass der derzeitige Stillstand in der GmbH die Probleme nur verschärft, bis zum Jahresende muss ein Konzept gefunden werden, wie sich das Theater in Zukunft aufstellen soll. Das war bereits der Stand nach der letzten Gesellschafter- und Aufsichtsratssitzung – und seitdem hat sich nicht viel getan.

Ein Umstand, der gerade bei den Angestellten des Landestheaters Unmut auslöst, schließlich wollen sie wissen, wie es um die Zukunft ihres Arbeitgebers bestellt ist. „Ich kann die Mitarbeiter verstehen, das ist für sie eine frustrierende Situation“, sagt Matthias Domke, der dem Aufsichtsrat bis zur Wahl eines neuen Vorsitzenden vorsteht: „Es darf nicht mehr lange dauern, bis wir wissen, wie es weitergeht, sonst wird sich ein Teil der Belegschaft anders orientieren.“

Domke selbst ist allerdings auch nicht sicher, ob am Freitag tatsächlich ein neuer Vorsitzender gefunden wird. Unabhängig von dieser Personalie müsse aber die Strategiediskussion jetzt in Gange kommen. „Bis Ende des Jahres brauchen wir Ergebnisse“, sagt Domke.

Sicher scheint immerhin, wer Klimants Sitz im Aufsichtsrat übernimmt, der Heider Bürgermeister Ulf Stecher soll dem Vernehmen nach noch im Mai nachrücken.

Und noch ein interessantes Detail sickerte in den vergangenen Tagen durch: Das Finanzamt hat den Antrag auf Vorsteuerabzug für den geplanten Theater-Neubau auf dem Schleswiger Hesterberg negativ beschieden. Hätten die Schleswiger Stadtvertreter für das Hesterberg-Projekt gestimmt, wäre es anschließend noch einmal rund 2,6 Millionen Euro teurer geworden. Möglicherweise ist es auch deshalb so still geworden rund um das Landestheater.

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erstellt am 06.Mai.2014 | 12:52 Uhr

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