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Perfekte Popsongs : The Charlatans lassen die Sonne aufgehen

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Lange galten The Charlatans als Nachzügler oder Epigonen von Rave und Britpop. Mit perfekten Popsongs auf ihren jüngsten Alben erspielen sie sich als Fortysomethings doch noch den verdienten Legendenstatus.

«Hey Sunrise» heißt der Opener des neuen Albums der britischen Indie-Institution The Charlatans. Und er trägt seinen Titel zu Recht, denn hier geht in musikalischer Hinsicht wirklich die Sonne auf.

Eine sanfte akustische Gitarre, zarter Keyboardnebel, ein markantes Pianomotiv und die ewig junge Schmeichelstimme von Frontmann Tim Burgess kulminieren in einem fantastischen Refrain, der dem Hörer ein Lächeln ins Gesicht zaubert. Kaum ein Album dieses Jahres glänzt mit einem so perfekten Auftaktsong.

«Different Days» (BMG/Pias/Rough Trade) erreicht solch lichte Höhen danach noch einige Male, etwa mit der Single «Plastic Machinery», dem groovenden «Not Forgotten», dem hymnischen «There Will Be Chances» oder «Let's Go Together». So firmiert das 13. Album der englischen Band als weiteres Highlight ihrer fast 30-jährigen Karriere.

Selten haben Burgess, Bassist Martin Blunt, Gitarrist Mark Collins und Tastenmann Tony Rogers so entspannt musiziert wie hier. The Charlatans, die im Nachgang der Rave-Welle mit drei Alben zwischen 1990 und 1997 Platz eins der britischen Charts erreichten, sind längst «Elder Statesmen» der britischen Rockmusik und dort über jeden Zweifel erhaben.

Das zeigt sich auch an der Gästeliste von «Different Days»: Der frühere Smiths-Gitarrist Johnny Marr spielt auf drei Tracks mit, der «Modfather» Paul Weller zum Abschluss in der schönen Ballade «Spinning Out»; die New-Order-Mitglieder Gillian Gilbert und Stephen Morris sind ebenso zu hören wie Lambchop-Bassstimme Kurt Wagner und Krimiautor Ian Rankin (!) mit Spoken-Word-Beiträgen.

Schon «Modern Nature» (2015) bewies, dass die Scharlatane ihre Durststrecke der Nuller-Jahre hinter sich haben. Diesem erstklassigen, auf Charts-Platz 7 einlaufenden Werk lassen sie nun ein mindestens ebenso gutes Album folgen, dessen Spielfreude und melodische Frische an eine viel jüngere Band denken lässt.

Charts-Rang 4 und zu Recht glänzende Kritiker-Reviews sind aber auch Lohn für das Durchhaltevermögen einer Formation, die mehrfach Todesfälle von Mitgliedern zu beklagen hatte. Chapeau für die Charlatans!

Website The Charlatans

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erstellt am 14.Jun.2017 | 12:00 Uhr

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