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Traditions-Theater in Hamburg : Thalia fühlt sich benachteiligt

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Theater kann zahlreiche Auszeichnungen und blendende Zuschauerzahlen vorweisen – doch bei Fördergeldern liegt das Deutsche Schauspielhaus vorn.

Hamburg | Im Prinzip sind vor den Herren öffentlicher Gelder alle Opernhäuser und Theater gleich. Manche allerdings sind gleicher, wie es am Beispiel des Deutschen Schauspielhauses zu besichtigen war. Das Thalia Theater, neben Schauspielhaus und Staatsoper eines der drei öffentlich getragenen Häuser in Hamburg und dasjenige, das über Jahre für Qualität im Schauspiel an der Alster gesorgt hat, gerät zunehmend ins Hintertreffen.

Barbara Kisseler  hat es in ihrer Antrittsrede als neue Präsidentin des Deutschen Bühnenvereins klar gesagt: „Ohne die Arbeit unserer städtischen Kulturbetriebe hat die Stadt als Ort der Kreativität, als Ort der Fantasie, als Werkstatt für die Lösung der Probleme der Gesellschaft keine Zukunft.“ Deshalb seien diese Einrichtungen unbedingt zu sichern.

Präsidentin Kisseler ist auch Senatorin für Kultur in Hamburg, und ausgerechnet zu Hause findet sie Unruhe vor, aufgewirbelt von den schönen Konditionen, die sich Schauspielhaus-Intendantin Karin Beier bei ihren Vertragsverhandlungen ausbedungen hatte. Beier verlangte den Ausgleich aller Tariferhöhungen rückwirkend ab 2008 – und bekam ihn. Obendrein billigte ihr der damalige Kultursenator Reinhold Stuth eine Million Euro für den Malersaal und eine weitere Erhöhung des Etats um 600.000 Euro zu.

Das investierte Geld, so hofft man in Hamburg, möge satte Zinsen bringen: Seit dem Ende der Aera Frank Baumbauer im Jahr 2000 verspielte das Haus seine glanzvolle Geschichte mit geradezu provinzieller Mittelmäßigkeit. Der Ruf des größten deutschen Sprechtheaters war ruiniert, Abhilfe also dringend nötig. Gefunden wurde die bekanntlich im Kölner Schauspiel, aus dem man die erfolgreiche Intendantin Beier weglockte.

Beim Nachbarn Thalia Theater, nur zehn Fußminuten weiter, gibt es indessen Magerkost. Mit dem Bemerken, sein Haus sei das mit Abstand am schlechtesten finanzierte Theater der oberen Liga im deutschsprachigen Raum, sagte Joachim Lux bei der Präsentation des Spielplans für die Saison 2015/16.  Auch Jürgen Flimm, einer von Lux’ Vorgängern als Thalia-Intendant, beklagte die Ungleichbehandlung der Häuser, und das, obwohl die Thalia-Mannschaft konstant sehr gute Arbeit abgeliefert hätte.

Ungleich fließen die öffentlichen Zuwendungen allemal. 25,84 Millionen Euro gehen ans Schauspielhaus, 21,13 Millionen ans Thalia Theater; die Anzahl der zur Verfügung stehenden Plätze ist nur grob vergleichbar: 1200 im Schauspielhaus, 1000 im Großen Haus des Thalia. Der gravierende Unterschied liegt in der Erfolgsgeschichte, die das Thalia seit Jahren  schreibt. Regelmäßige Auszeichnungen gehen mit dem grandios hohen Eigenfinanzierungsanteil von rund 30 Prozent (Bundesdurchschnitt: 18 Prozent) und den entsprechend hohen Zuschauerzahlen von zuletzt mehr als 300.000 pro Jahr einher.

Kein Wunder, wenn da die Morgengabe für das Schauspielhaus sauer aufstößt. „Die Zahlen bilden nur die Zuwendungen an die Häuser ab, Projektmittel für Einzelprojekte wie auch Mittel für Baumaßnahmen et cetera sind nicht darin enthalten“,  heißt es aus der Hamburger Kulturbehörde zu den Zahlen. Sprecherin Laura-Helen Rüge erklärt weiter: „Die Thematik der Tarifsteigerungen werden wir in den kommenden Haushaltverhandlungen für den Haushalt 2017/18 angehen.“ Darf Lux hoffen? Er wolle die Entwicklung erst einmal abwarten, sagt er zurückhaltend.

Barbara Kisseler versucht  den Spagat zwischen finanzieller Realität im Kulturressort und präsidialem Wollen im Bühnenverein: „Trotz ihrer unabweisbaren Bedeutung für unsere Gesellschaft sind die Theater immer wieder von anhaltenden Budgetkürzungen bedroht“, sagte sie als Präsidentin des Deutschen Bühnenvereins. Als diese „werde ich mich insbesondere für die notwendige, nachhaltige finanzielle Absicherung der Häuser – für Tarifsteigerungen ebenso wie notwendige Sanierungsmaßnahmen – einsetzen.“ Im Thalia Theater darf man gespannt sein.

 

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erstellt am 19.Dez.2015 | 11:24 Uhr

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