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Krimi aus München : „Tatort“: Requiem für verlorene Seelen

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die Kommissare aus München ermitteln in einem Psychodrama – war es eine Familientragödie?

München | Erste Einstellung: Ein paar Zebras traben scheu durch ein Gehege. Als wären sie paralysiert. Als wüssten sie nicht, wo sie sind oder wo sie hin sollen.

Wenig später finden die Münchner Kommissare Batic und Leitmayr (Miroslav Nemec, Udo Wachtveitl) zwei niedergeschossene Personen in ihrem Haus – Michaela Danzer und Daniel Ruppert. Schlimmer noch: Quirin, der kleine Sohn der Toten, ist fort. Zum Glück findet er sich noch in derselben Nacht in einem Krankenhaus. Scheu, wie paralysiert. Als wüsste er nicht …

Wundersamer Weise überlebt Ruppert (Harald Windisch) den Bauchschuss vom Mordanschlag. Mehr noch: Während der Not-OP entdeckt man bei ihm die Narbe einer weiteren Schussverletzung. Und wie sich zeigt, wollte Ruppert vor 15 Jahren sich und seine Familie auslöschen. Aus Verzweiflung, nach dem Ruin seiner Firma. Doch anders als Frau und Sohn, überlebte er damals sein eigenes Gemetzel.

Und es gab eine weitere Überlebende: Rupperts siebenjährige Tochter Ella, die er in seiner Agonie verschonte. Doch von ihr fehlt bis heute jede Spur. So sind nicht nur unsere beiden Silberlocken-Kommissare zunächst ratlos. Bis der kleine Quirin aus dem Krankenhaus entführt wird. Wiederholt sich hier die Familientragödie von einst? Wer hat diesmal geschossen?

Ganz ähnlich wie der „Borowski“ letzte Woche, setzt auch dieser „Tatort“ von Claus C. Fischer, Dinah Marte Golch (Buch) und Markus Imboden (Regie) auf einen höchst introvertierten Horror. Auf die seelischen Verletzungen einer jungen Frau (großartig: Anna Drexler), die seit Kindheitstagen mit dem Verlust ihrer Familie leben muss und schließlich daran zerbricht. Nemec und Wachtveitl parieren die Herausforderung dieses Psychodramas mit viel Empathie und zelebrieren ein ungewohnt minimalistisches Spiel. Wie das gesamte Ensemble, das mit dem Thema „Traumabewältigung“ angenehm unprätentiös umgeht. Vom Klang und vom Gefühl her, fast wie in einem Requiem. Einem Requiem an verlorene Kinderseelen. Typisch Imboden, der uns mit seiner Krimi-Kunst erneut anrührt. Großartig!

„Tatort – Einmal wirklich sterben“, Sonntag, 20.15 Uhr, ARD

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erstellt am 06.Dez.2015 | 15:44 Uhr

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