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Sonntagskrimi : „Tatort“: Manifest der Depressionen

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Der Bremen-Krimi „Die Wiederkehr“ ist ein Familiendrama um Schlepperringe und Kindesmissbrauch.

shz.de von
erstellt am 15.Mär.2015 | 14:19 Uhr

Bremen | Komische Geschichte. Bei den Althoffs in Bremen klingelt es an der Haustür, ein zerzaustes Mädchen, mit roten Haaren und in Punkklamotten, scheint nach Hause zu kommen. Und in der Tat, die 17-jährige Fiona (Gro Swantje Kohlhof) gehört hierher; sie schließt nur allzu gern Mutter und Geschwister in ihre Arme (Gabriela Maria Schmeide, Levin Liam, Amelie Kieferin).

Nur, dass Fiona vor zehn Jahren entführt wurde und seither als vermisst, ja, längst als tot gilt. Lürsen und Stedefreund (Sabine Postel, Oliver Mommsen) hatten 2005 Himmel und Hölle in Bewegung gesetzt, die Kleine wiederzufinden. Am Ende führte die Spur zu Fionas labilem Vater, der, in die Enge getrieben, schließlich Selbstmord beging. So schien die letzte Hoffnung dahin, das Mädchen aufzuspüren.

Und nun das! Wo kam die mittlerweile junge Frau plötzlich her? Welches Martyrium musste sie in den letzten zehn Jahren durchleiden?

Keine Angst, Matthias Tuchmann, Stefanie Veith (Buch) und Florian Baxmeyer (Regie) wärmen keineswegs das Natascha-Kampusch-Drama in neuer Variante auf, sondern stricken eine weit kompliziertere Story. Es geht um die Liebe in einer Familie, um internationale Schlepperringe und Kindesmissbrauch. Und es geht um das Versagen der Polizei. Genauer: um Lürsen und Stedefreund.

Denn fast scheint es, als wäre für Regisseur Baxmeyer dieser ganze Fall nur Anlass, einmal die Hilflosigkeit und Versagensängste unserer Kommissare durchzudeklinieren. Bemerkenswert, wie vor allem die Postel Schuld und Sühne ihrer Figur verinnerlicht und eine Art Selbstzerfleischung zelebriert. Entweder bis zur Kapitulation oder bis zur Entdeckung der Wahrheit.

Oder – bis alles ganz anders kommt und die Lösung des Falls dem Bremer „Tatort“-Team doch noch Absolution erteilt. Aber nur um den Preis, dass die Tragödie der Althoffs letztlich noch tragischer ist, als vermutet. Eben, eine komische Geschichte. Bleiern, bestürzend und im besten Sinne – irreal. Ein Manifest der Depressionen.

„Tatort - Die Wiederkehr“, 20.15 Uhr,.

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