zur Navigation springen

Sonntagskrimi zur Flüchtlingskrise : „Tatort“: Feuer-Tod in Gewahrsam

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Der „Tatort“ mit Wotan Wilke Möhring greift einen echten aber ungelösten Fall auf und entwirft eine mögliche Aufklärung.

Einen „Tatort“ mit der deutschen Nationalhymne zu beginnen, verheißt heutzutage nichts Gutes. Ziehen dann noch graue Industrielandschaften vorbei, durchstreift ein Wagen enge, dunkle Straßen bis wir schließlich vor einer Bushaltestelle landen, an der zwei Afrikaner hocken, dann ahnen wir, dass der Mord zum Sonntag ein böser Epilog zum Einheitsjubiläum vor einer Woche wird. Und zur Flüchtlingskrise.

Gedacht, geschehen. Die Hamburger BKA-Ermittler Falke und Lorenz (Wotan Wilke Möhring, Petra Schmidt-Schaller) observieren die zwei Afrikaner, die angeblich gefälschte Reisepässe verticken. Als diese flüchten, stürzen die Beamten hinterher. Wenig später schlägt Falke einen von ihnen brutal nieder, weil er Lorenz attackiert hatte.

Abgeführt, aufs Revier gebracht und an Händen und Füßen fixiert, soll der Afrikaner die Nacht verbringen. Doch am nächsten Morgen ist er tot. Verbrannt auf seiner Liege. Wie konnte das passieren?

Ein tragischer Fall. Alarmierend, beschämend – und noch nicht einmal erfunden. Denn Autor Stefan Kolditz bezieht sich direkt auf jene Tragödie 2005 im sächsischen Dessau, als der Asylbewerber Oury Jalloh aus Sierra Leone in Polizeigewahrsam verbrannte. Doch während dieser Fall bis heute ungeklärt ist, führen Kolditz und Jung-Regisseur Thomas Stuber ein mögliches Szenario vor.

Ein Szenario, das viele Fragen aufwirft. Zum Asylrecht, zum Umgang mit Ausländern, zur Ohnmacht des Staates angesichts der Flüchtlingsmassen. Grandios besetzt (u.a. Werner Wölbern, Annika Kuhl, Peter Jordan), mit der Handkamera dokumentarisch verdichtet und ohne Rücksicht auf Verluste in der deutschen Willkommensromantik, erzählen Kolditz und Stuber eine Geschichte der Hoffnungslosigkeit. Ein Drama, das am Ende ein weiteres „Opfer“ fordert. Denn es ist der letzte Fall für Kommissarin Lorenz, die mit der Gewalt und den Lügen in ihrem Job nicht mehr leben will. Oh ja, was soll ihr in dieser Zeit noch helfen: Ein Eid, eine Dienstvorschrift – eine Nationalhymne?
 

„Tatort – Verbrannt“, 20.15 Uhr, ARD

zur Startseite

von
erstellt am 11.Okt.2015 | 13:53 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen