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Sonntagskrimi : „Tatort“: Die Elixiere des Krieges

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

In seinem vierten „Tatort“-Fall kämpft Wotan Wilke Möhring gegen einen Schlepperring - und zeigt als Kommissar Falke seine sensible Seite.

Oldenburg | Zur ihrer jüngsten „Themenwoche Toleranz“ schiebt die ARD nun noch den dazugehörigen „Tatort“ nach. Und wurden wir zuletzt mal heiter beschwingt, mal kämpferisch auf die Vorzüge einer glaubensoffenen und solidarischen Multikulti-Gesellschaft eingeschworen, sollen wir am Sonntagabend das Leid syrischer Flüchtlinge nachfühlen, die in Oldenburg um ihr Überleben kämpfen. Wenn auch aus anderen Gründen, als die Mehrheit der Asylanten. Denn ein grausiger Mord und der Tod eines Flüchtlingskindes führen die Kommissare Falke und Lorenz (Wotan Wilke-Möhring, Petra Schmidt-Schaller) nicht etwa in überfüllte Containercamps mit traumatisierten Menschen, sondern hinein in eine noble Gemeinde von Deutsch-Syrern. Dahin, wo man sich als Arzt oder Akademiker längst eingerichtet hat, wo man perfekt Deutsch spricht und die besseren Villenvororte bewohnt. Gern mit deutscher Ehefrau an der Seite (Karoline Eichhorn) und deutscher Nobelkarosse in der Garage.

Doch nun hat der Krieg in der Heimat sie eingeholt. Mischen sich Flüchtlingselend und Befindlichkeiten der Syrer untereinander zu einem mörderischen Elixier. Denn bald zeigt sich, dass es weniger um einen Schlepperkrieg geht, wie zunächst vermutet, sondern um eine Blutfehde zweier Familienclans.

Schwer nachzuvollziehen, was Friedrich Ani (Buch) und Marvin Kren (Regie) mit ihrem Drama bezwecken. Wie in einem Versuchslabor werfen sie Tatsachen, Klischees und Vorurteile zum Thema Syrienkrieg in einen Erlenmeyerkolben und schauen, was damit über dem Bunsenbrenner passiert. Und um die (Zuschauer)Reaktion zu beschleunigen, gibt’s noch einen One-Night-Stand von Falke und Lorenz obendrauf.

So irritiert dieser „Tatort“ nicht nur mit seiner konstruierten Story und düsteren Figuren, sondern mit dem Geschmäckle, dass Ani und Kren auf dem Rücken der Syrien-Flüchtlinge ein zwar spannendes, am Ende jedoch stinknormales Racheepos zelebrieren. Aber was heißt schon „stinknormal“, wenn es um Asylanten in Deutschland geht.

„Tatort – Die Feigheit des Löwen“, 20.15 Uhr, ARD



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erstellt am 30.Nov.2014 | 14:54 Uhr

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