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Sonntagskrimi : „Tatort“ aus München: Reporter, Exorzismus, Gemetzel

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Nicht gerade appetitlich, was die Ermittler Batic und Leitmayr aufzuklären haben: Ein Reporter stirbt bei einer Teufelsaustreibung. Ein mystischer, bildgewaltiger und am Ende lodernder „Tatort“.

shz.de von
erstellt am 22.Dez.2013 | 10:12 Uhr

Wir kennen ihn als Chaos-Reporter Albrecht Humboldt aus der ZDF-„heute-show“. Und in der Tat scheint Alexander Schubert „die Knalltüte vom Fach“ wie auf den Leib geschneidert. Heute Abend darf Schubert diese kleine Rolle nochmal spielen – im großen „Tatort“. Nur, dass sein aufdringlicher und pseudo-investigativer Reporter Albert A. Anast, Künstlername „AAA“, dafür mit dem Leben zahlen muss.


Denn irgendwer war der Meinung, dass die „Hackfresse vom Fernsehen“, die sich über einfache Leute hermachte und aus purer Sensationsgeilheit deren Existenz ruinierte, tot gehört. Doch da wir in Bayern sind, wird der Kerl nicht etwa ordnungsgemäß ersäuft, erhängt oder erschossen, wie in Berlin oder Hamburg. Nein, hier darf es auch mal eine Teufelsaustreibung sein, dem Bösen beizukommen. Schön mit Fleischermesser, Hackebeil und allem Exorzismus-Tamtam. Gern mehrere Tage lang. Bis zur Befreiung von den Dämonen. Oder, wenn es dumm läuft, bis zum Exitus. Bei Albert lief es offenbar sehr dumm. Irgendwann findet sich seine Leiche unter einer Brücke.


Nicht gerade appetitlich, was unsere Silberlocken Batic und Leitmayr (Miroslav Nemec, Udo Wachtveitl) heute aufzuklären haben. Was Wunder, Reality-TV meets Katholizismus – das kann ja nur in einem Gemetzel enden. So zumindest haben wohl Gerlinde Wolf, Harald Göckeritz und Edward Berger (Drehbuch) kalkuliert, als sie ihre Figuren für Regisseur Jochen Alexander Freydank in Stellung gebracht haben, sodass dieser sie funkensprühend aufeinander hetzen kann.
Hier die hippen und vom Ehrgeiz zerfressenen Nerds einer kleinen TV-Produktionsgesellschaft (u.a. Claudia Hübschmann, Dominik Boeer, Theresa Underberg) – da die Eingeborenen im Münchner Hinterland (u.a. Ernst Stötzner, Albrecht Abraham Schuch, Gregor Weber). High Heels und Hightech gegen Messwein und Mistgabel.
Und mittendrin unser Kripo-Duo, das in diesem Kampf der Wertewelten er- und vermitteln muss. Ein mystischer, bildgewaltiger und am Ende lodernder „Tatort“, der trotz seiner religiösen Überhöhung von Nemec und Wachtveitl jederzeit domestiziert wird. Klasse!
 

„Tatort – Allmächtig“, 20.15 Uhr, ARD



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