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Sonntagskrimi : „Tatort“ aus Berlin: Jawoll, die können weg

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Es ist keine Abschiedsgala - und er wird am Ende auch nicht erschossen. Dominic Raacke (55) löst am Sonntagabend nach mehr als 14 Jahren Dienst seinen letzten Fall als Berliner Tatort-Kommissar Till Ritter.

shz.de von
erstellt am 09.02.2014 | 19:00 Uhr

Berlin | Jetzt, da alle Welt weiß, dass unsere Berliner Kommissare Ritter und Stark (Dominic Raacke, Boris Aljinovic) auf Abschiedstour sind, jetzt schauen wir alle nochmal genauer hin. Und fragen uns: Wieso schickt sie der RBB nächstes Jahr in die Wüste? Sind ihre Figuren auserzählt? Passen die Kripo-Dinos etwa nicht mehr ins hippe Berlin?
Wer weiß. Aber um 21.45 Uhr stöhnt bestimmt heute mancher auf und meint: „So ein Luschen-Kino. Ritter und Stark? Jawoll, die können weg!“ Was nur die Kritiker bestärkt, aber auch irgendwie ungerecht ist.

Denn erneut liegt es nicht unbedingt an Raacke und Aljinovic, dass der Berliner „Tatort“ heute floppt. Denn erneut geht die Story einfach an ihnen vorbei. Schert sich weder Autor Jochen Greve noch Regisseur Alexander Dierbach um die ausgewiesenen Talente unserer Berlin-Cops. Um das Schlaksige, Coole und Gewitzte von Raacke oder um die Beflissenheit, Naivität und Rührseligkeit von Aljinovic.

Im Gegenteil – sie werfen ihnen den Mordfall hin wie einen Knochen. Ein verqueres Drama, in dem ein kleiner Junge durch die Explosion einer Briefbombe stirbt. Einer Sprengladung, die eigentlich für Nico Lohmann (Florian Panzner) und dessen schwangere Freundin Anne (Klara Manzel) bestimmt war. Ein dummer Zufall?

Was folgt, ist die zähe Suche nach den Hintergründen der Explosion. Ein Trip in die traurige Vergangenheit des einstigen Schwimmstars Nico, der sich mit seinem Vater ebenso überworfen hat, wie mit seiner Ex (Hans Uwe Bauer, Julia Koschitz). Und also geht es um Schuld und Sühne und einen alten Hass. Weshalb wohl auch immer wieder ein paar Krähen durchs Bild flattern dürfen. Große schwarze Vögel, fliegende Metaphern von Unheil und Tod. Ach, Gottchen!

Kein Wunder, dass Raacke und Aljinovic bei dieser Gefühlssoße nicht auf den Geschmack kommen. Ganz, wie ihre Kollegen Panzner und Manzel. Nur, wenn Regisseur Dierbach sein Blatt so „ohne Vieren“ reizt, landen wir gezwungenermaßen beim Ramsch. Und unsere „Tatort“-Stars – irgendwann auf der Straße. War das etwa der Plan, heute?  
 

„Tatort – Großer schwarzer Vogel“, 20.15 Uhr, ARD

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