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Tänzer für das Phantom gesucht

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Im Dezember kommt "Das Phantom der Oper" wieder nach Hamburg / 80 Frauen kämpfen um die begehrten Rollen

shz.de von
erstellt am 16.Mai.2013 | 03:59 Uhr

Hamburg | Es ist eine ganz besondere Atmosphäre im Stage Entertainment Tanzstudio "London" in der Speicherstadt. Überall stehen junge Frauen in Tutu oder Wickelrock. Sie hüpfen auf ihren rosafarbenen Spitzenschuhen hin und her - beobachtet von einem strengen Kreativteam. 80 Tänzerinnen sind zum Hamburger Vortanzen für das Ballettensemble von "Das Phantom der Oper" gekommen. Ihre Chancen stehen schlecht. Auf einen Platz im Ensemble kommen knapp 40 Vortänzer.

Insgesamt 800 junge Frauen und Männer haben sich bei Stage Entertainment auf eine Rolle im Phantom-Tanzensemble beworben, 300 potentielle Talente wurden von Casting Director Ralf Schaedler und seinem Team zum Vortanzen auserwählt. Nach dem Auswahlverfahren in Hamburg wird heute in Mailand gecastet. Am Dienstag fand bereits die erste Audition in London statt. Am Ende braucht Stage sechs weibliche und zwei männliche Balletttänzer für die Produktion.

Die Tänzerinnen wirken hoch konzentriert und arbeiten für sich - und an sich: immer wieder ziehen sie sich aus, und wieder an. Füße werden in Daunenschuhen warm gehalten, Jogginghosen gegen Wickelröcke getauscht, Stulpen angelegt und Jacken abgestreift: es sind die letzten Vorbereitungen.

Casting-Direktor Ralf Schaedler versammelt die Bewerber in einem Halbkreis um sich und stellt Denny Berry vor. Die taffe Choreographin war bereits für den Aufbau von zwölf Produktion von "Das Phantom der Oper" weltweit verantwortlich. Sie soll den Frauen eine anspruchsvolle Choreographie beibringen. "Es ist für uns ganz wichtig, zu beobachten, wie schnell die Tänzerinnen auf Anweisungen reagieren und wie sie sie umsetzen", sagt Schaedler. Zuerst werden alle gemeinsam trainiert, dann werden die Gruppen geteilt.

Denny Berry tanzt vor und 80 junge Talente tanzen nach. Es ist ihre große Chance. In nur wenigen Stunden müssen sie überzeugen und auffallen. Berry läuft durch die Reihen, kontrolliert und hilft. Ein Mädchen stürzt. Eine andere wechselt das Blasenpflaster. Sie geben alles, um auf die Bühne der Neuen Flora zu kommen, in dem Theater, das extra für diese Show gebaut wurde.

Gut acht Millionen Gäste besuchten das Musical von 1990 bis 2001 in Hamburg. Mehr als 130 Millionen Zuschauer hat die Produktion seit seiner Premiere vor gut 26 Jahren weltweit in seinen Bann gezogen. Im Dezember ist es zurück in Hamburg.

Aufmerksam verfolgen Musical Supervisor Klaus Wilhelm und Ralf Schaedler die ersten Tanzschritte der Kandidaten. Nach nur einer halben Stunde beginnt die Gruppe synchron aufzutreten. Für den Laien sind sie alle perfekt. Ralf Schaedler weiß genau, was er sucht. Seit 2007 leitet der 42-Jährige die deutsche Casting-Abteilung bei Stage Entertainment und ist in dieser Funktion verantwortlich für die Besetzung der hauseigenen Musicals. Beim Casting für das Ballettensemble achtet er in erster Linie auf die technischen Fähigkeiten. Alle Bewerber sollten eine klassische Ballettausbildung haben. "Im zweiten Schritt schauen wir auf die Persönlichkeit der Kandidaten", sagt er. Und da macht die Herkunft den Unterschied. "Die Engländer sind im Vergleich zu den Deutschen kontrollierter, Italiener haben wirklich mehr Feuer und Temperament." Am Ende heißt es eine homogene Gruppe zu finden.

Eine Zusage bekommen die Tänzer in dieser Woche noch nicht. Erst im Juli entscheidet sich, wer in der Phantom-Produktion in Hamburg spielen darf. Dann werden die besten Talente für alle Rollen noch einmal drei Tage lang begutachtet. Bis dahin liegen gut 1000 Stunden Casting hinter Ralf Schaedler, Denny Berry und Klaus Wilhelm.

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