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Ausstellungen : Stedelijk Museum zeigt große Malewitsch-Schau

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Schwarze und rote Vierecke, Kreuze und Kreise machten den russischen Maler Kasimir Malewitsch (1879-1935) berühmt. Er ist einer der wichtigsten Gründer der abstrakten Malerei.

shz.de von
erstellt am 17.Okt.2013 | 13:51 Uhr

Doch der eigensinnige Russe war noch viel mehr: Denker und charismatischer Lehrer. Das Stedelijk Museum in Amsterdam zeigt in der großen Retrospektive «Kasimir Malewitsch und die russische Avantgarde» (19. Oktober bis 2. Februar 2014) auch die eher unbekannten Facetten des Meisters des «Schwarzen Quadrats».

Vor fast 25 Jahren hatte das Museum zuletzt seine große Malewitsch-Sammlung gezeigt, die größte außerhalb Russlands. Nun wurde diese mit zahlreichen internationalen Leihgaben ergänzt und erstmals zusammengebracht mit zwei wichtigen Sammlungen der russischen Avantgarde: Der Khardzhiev-Sammlung, die vom Stedelijk Museum verwaltet wird, sowie derjenigen von George Costakis aus dem griechischen Thessaloniki. Die beiden Russen waren die ersten, die auch die unter dem Diktator Stalin verbotenen Werke der russischen Moderne sammelten.

Über 500 Werke sind in 13 Sälen des 2012 spektakulär umgebauten Museums zu sehen. Viele wurden noch nie zuvor einem breiten Publikum im Westen gezeigt. Das Ergebnis ist eine tiefe Verbeugung vor der russischen Avantgarde.

Malewitsch wird umringt von seinen Zeitgenossen, wie etwa Marc Chagall, Wassily Kandinsky und El Lissitzky. Doch im Mittelpunkt steht er selbst. «Ich bin der Apostel der neuesten Konzepte der Kunst», kritzelte er 1916 nicht gerade bescheiden auf eine Skizze.

Doch in seinen jungen Jahren ließ er sich noch vom Kubismus, Symbolismus und Impressionismus inspirieren. So steht man plötzlich verblüfft vor der «Frau mit Zeitung auf dem Schoß», einer impressionistischen Idylle aus dem Jahre 1904. Zugleich entwickelte Malewitsch aber seinen eigenen radikal-abstrakten Stil des Suprematismus. Er und seine Zeitgenossen propagierten die Stunde Null der Kunst. In der Aufbruchstimmung des neuen Jahrhunderts passten Stillleben oder Landschaften nicht zu ihrer Vision einer neuen Welt. Der Suprematismus, so Malewitsch, sollte die Kunst «vom Ballast des Gegenständlichen befreien».

Diese Vision setzte er gemeinsam mit drei Kollegen in der futuristischen Oper «Der Sieg über die Sonne» um, die vor 100 Jahren uraufgeführt wurde. Malewitsch entwarf Kostüme und Bühnenbild und nutzte dafür geometrische Formen.

Diese Arbeit inspirierte ihn zu seinem radikalsten Gemälde: Das «Schwarze Quadrat» auf weißem Hintergrund. 1915 zeigte er es auf der Ausstellung 0.10 in Petrograd. Auch der Raum war suprematistisch gestaltet: Ganz oben, in einer Ecke hing das Spitzenstück. Diese damalige Skandal-Schau wurde nun in Amsterdam rekonstruiert.

«Hochmut» und «Das Ende der Malerei», so empörten sich damals die Kritiker. Doch für den Maler selbst war es die höchste Ausdrucksform der gegenstandslosen Empfindung. «Das Quadrat = die Empfindung, das weiße Feld = das Nichts außerhalb dieser Empfindung.»

Wie sehr Malewitsch seine Bilder auch mit dem Kopf entwarf, wird an den Zeichnungen deutlich. Oft sind es nur flüchtige Bleistiftskizzen, hier und da kritzelte er am Rande einen Kommentar. In diesen Werken kommt man dem Maler und seiner Suche nach der wahren Ausdrucksform am nächsten.

In seinem Spätwerk kehrte er zur figurativen Kunst zurück, möglicherweise auch unter Druck des vom Regime verordneten Sowjet-Realismus. Doch die typischen Merkmale des Suprematismus sind auch hier deutlich. Das «Mädchen mit dem rotem Stock» in bäuerlicher Kleidung signierte er 1933 mit einem schwarzen Quadrat.

Die Amsterdamer Ausstellung entstand in Zusammenarbeit mit der Londoner Galerie Tate Modern und der Bundeskunsthalle in Bonn. Dort soll die Ausstellung nach dem 2. Februar gezeigt werden.

Informationen des Museums

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