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Kultur

22. September 2017 | 15:44 Uhr

Starr statt beflügelt

vom

shz.de von
erstellt am 17.Aug.2013 | 07:26 Uhr

Von Sven Bohde |

Es gibt ein geflügeltes Wort: "Architektur ist erstarrte Musik". Das klingt schön. Es ist vielleicht nicht so geläufig wie "Der Ball ist rund" oder "Mein Name ist Hase", aber vielen Hamburgern dürfte es mittlerweile vertraut sein. Es kommt ihnen sicherlich oft in den Sinn - immer dann, wenn sie die Baustelle der Elbphilharmonie sehen.

Auf dieser löst sich eine gewisse Starre zwar gerade, aber eigentlich passiert dort nicht viel Neues.

Also bleibt Zeit, sich mal über Redewendungen Gedanken zu machen. Manchmal sagt jemand etwas Kluges oder Absurdes, um eine spezielle Situation zu beschreiben.

Aber weil es im Allgemeinen auch auf viele vergleichbare Dinge zutrifft, fangen die Menschen an, die kluge oder absurde Aussage zu nutzen, um eine Sache verständlich zu machen. Etwas ist dann wie…

"Alle Wege führen nach Rom" kann man ja zum Beispiel sagen, wenn es mehrere Möglichkeiten gibt, eine Aufgabe zu lösen. Das kommt nicht vom guten Straßennetz der alten Römer, sondern spielt auf den Papst an, der im Mittelalter mehr zu entscheiden hatte als heute. Darum heißt es auch nicht "Alle Wege führen nach Kiel" - denn hier gibt es keinen Papst. Ein gutes Straßennetz schon gar nicht.

Zurück nach Hamburg, wo man meistens auch im Stau steht. Abgesehen von der erstarrten Musik in Form von Architektur, flog den Leuten noch ein neues Wort in die Ohren, und ist nun in aller Munde. Vor allem Architekten machen davon Sprachgebrauch. Immer dann, wenn ein Gebäude nicht wie geplant fertig wird - und zusätzlich die Baukosten steigen - heißt es: "Das ist unsere Elbphilharmonie." Kürzlich war dies mal wieder auf einer gemütlichen Gartenparty zu hören, als ein leicht gefrusteter Architekt von einem Bauprojekt erzählte.

Schade, dass ein geflügeltes Wort keine beflügelnde Wirkung hat.

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