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Archäologie : Spektakulärer Goldschatz öffnet Fenster zur Bronzezeit

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Für die Archäologen war es ein Jahrhundertfund: Der im April 2011 entdeckte Goldschatz von Gessel könnte die Geschichte der europäischen Bronzezeit umschreiben. Denn nach ersten chemischen Analysen stammt ein Teil dieses Goldes möglicherweise aus Zentralasien.

Bisher hatte die Wissenschaft angenommen, dass das vor etwa 3500 Jahren kursierende Edelmetall keinen so weiten Weg genommen hatte. Archäologen waren auf die 117 Objekte bei Grabungen entlang der Nordeuropäischen Erdgas-Leitung gestoßen. Insgesamt haben die Forscher allein in Niedersachsen mehr als sieben Millionen Quadratmeter Fläche unter die Lupe genommen.

Die Ausstellung «Im Goldenen Schnitt. Niedersachsens längste Ausgrabung» (23. August bis 2. März) stellt eine Auswahl der Funde im Landesmuseum Hannover vor. Sie zeigt, wie im 21. Jahrhundert mit Hilfe modernster Technik Zeugnisse aus fast 11 000 Jahren Menschheitsgeschichte ausgewertet werden können. Das Grabungsfeld - also die rund 200 Kilometer lange und 36 Meter breite Trasse - wird in einem Raum komprimiert erlebbar. Acht Multimedia-Stationen erzählen exemplarisch die Geschichten von acht Fundorten zwischen Lubmin an der Ostsee und Rehden bei Diepholz, wo die Leitung endet.

Der Bau der Erdgasleitung hat die Funde erst ermöglicht. Gleichzeitig ist sie Inspirationsquelle für die Ausstellungsmacher, die zeigen, wie Rohstoffe in ur- und frühgeschichtlicher Zeit importiert wurden. Zu sehen sind Kupferbarren aus dem Wrack einer um 1450 gebauten Kogge, die Meeresarchäologen am Grund der Ostsee bei Lubmin entdeckt haben. Kuratorin Babette Ludowici hat bewusst auch unscheinbare Objekte wie eine Handvoll Keramikscherben oder verkohltes Getreide ausgewählt. «Viele Dinge sind klein, braun, hutzelig, aber für uns Archäologen sind es Schätze», erklärt sie.

Der 1,7 Kilogramm schwere Goldschatz von Gessel wird von anderen Goldfunden aus der Bronzezeit umrahmt. Er besteht aus 114 teils zu Ketten zusammengefügte Spiralen, zwei Armringen sowie einer verzierten Spange aus nahezu reinem Gold. Die Geheimnisse des Schatzes sollen in Forschungsprojekten gelüftet werden.

Nach den bisherigen Erkenntnissen sind die Kostbarkeiten vor rund 3500 Jahren in einem mit Bronzenadeln verschlossenen Leinenbeutel bewusst in der Erde vergraben worden. «Bei den Spiralen handelt es sich wohl um eine Vorform von Geld, die in Europa verbreitet war», sagt der Leiter des niedersächsischen Landesamts für Denkmalpflege, Stefan Winghart. Warum der Besitzer den Goldschatz verbuddelte, ist noch unklar: «Vielleicht war es ein Versteck in Kriegszeiten, vielleicht Raubgut. Es kann sich auch um eine kultische, religiöse Deponierung handeln.»

Nach Abschluss der wissenschaftlichen Untersuchungen wird der Goldschatz ins Landesmuseum Hannover wandern. Die Gemeinde Syke hatte als Fundort in der Vergangenheit aber bereits auch Ansprüche angemeldet. «Wir stehen in Kontakt mit Syke und haben eine sehr gute Verabredung getroffen», sagt Landesmuseums-Direktorin Katja Lembke. So solle für Syke eine Reproduktion des Schatzes geschaffen werden. Zudem werden nach den Plänen einzelne Original-Stücke als Leihgaben zur Verfügung gestellt.

Landesausstellung «Im Goldenen Schnitt»

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erstellt am 22.Aug.2013 | 16:13 Uhr

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