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Norwegischer Pianist : Sounds of Entschleunigung: Bugge Wesseltoft

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Ist das noch Jazz, oder aber Ambient-Music, oder schon Klassik? Beim norwegischen Pianisten Bugge Wesseltoft verschwimmen mal wieder die Genre-Grenzen.

shz.de von
erstellt am 15.Okt.2017 | 06:00 Uhr

Die puristische «Jazz-Polizei» könnte hier mit Fug und Recht einschreiten: Denn «echter», zeitgemäßer, womöglich gar avantgardistischer Piano-Jazz ist das natürlich nicht, was Bugge Wesseltoft auf seinem neuen Soloalbum macht. 

Sondern irgendwie «Crossover». Aber egal: Wie der 53-jährige Norweger hier hauchzarte Versionen von Songs der Beatles («Let It Be») und Rolling Stones («Angie»), von Jimi Hendrix («Angel»), Cat Stevens («Morning Has Broken») oder Bob Dylan («Blowing In The Wind») hintupft, das hat seinen ganz eigenen Reiz.

Vor allem ist es wunderschön, und es beruhigt so ungemein. «Everybody Loves Angels» (ACT) dürfte derzeit das wirkungsvollste Nervenbalsam sein, das man im Jazz-Fach von Plattenläden kaufen kann.

Mit dem Traditional «Es sungen drei Engel» und Johann Sebastian Bachs «Koral» rahmt Wesseltoft am Anfang das eigentlich gnadenlos ausgeleierte «Bridge Over Troubled Water» von Simon & Garfunkel ein. Der Softpop-Klassiker wird mit achteinhalb Minuten besonders ausgekostet - man sollte alle Kitsch-Gedanken einfach mal abschütteln und sich in diese Schwelgerei versenken.

Ähnlich kunstvollen Wohlklang gewinnt der Meisterpianist danach auch den anderen Preziosen der populären Musik bis hin zu Bruno Mars' «Locked Out Of Heaven» ab. Es ist ein Sound der Entschleunigung, die sich nicht um Stil-Grenzen schert.

Das von ACT-Gründer und -kopf Siggi Loch zusammen mit Wesseltoft produzierte, im Februar in einer norwegischen Holzkirche der Lofoten aufgenommene Album knüpft an eine schon 20 Jahre zurückreichende Kollaboration der beiden an. Damals erschien die Einspielung «It’s Snowing On My Piano».

Wesseltoft wollte als Gegner der kommerzialisierten Weihnachten «ein Stück Musik aufzunehmen, das wieder Ruhe in eine sonst immer lauter werdende Zeit bringen sollte», erzählt Loch. Daraus wurde das später mit Platin ausgezeichnete, meistverkaufte Album in der Geschichte von ACT. Der Ort der Recordings zu «Everybody Loves Angels» hat Wesseltoft nun aufs Neue zu einem anmutigen, äußerst ruhigen Soloalbum angeregt.

«Die Natur ist für mich über die Jahre zu einer immer wichtiger werdenden Inspiration geworden», sagt der Norweger. «Hier erlebe ich immer wieder Momente, in denen ich fühle, Teil etwas Größeren zu sein. Kein Ort fühlte sich für diese Aufnahme natürlicher an als die Lofoten. Eine wunderschöne und zugleich auch harsche Gegend und ein ebensolches Leben, wie für meinen Urgroßvater, der hier geboren wurde.»

Sein deutsches Label nennt die elf neuen Wesseltoft-Tracks «eine Musik gewordene Antithese auf die Zapping-Mentalität unserer Zeit». Kann man so sagen.

Tourdaten: 19.10. Mannheim - enjoy jazz, 28.11. Düsseldorf - Bachsaal der Johanneskirche, 29.11. Köln - Kulturkirche, 30.11. Erlangen - E-Werk, 01.12. Bad Oeynhausen - Auferstehungskirche, 02.12. Bochum - Christuskirche, 03.12. Kreuztal - Friedenskirche, 04.12. Hamburg - Kulturkirche, 05.12. Berlin - Passionskirche, 08.12. Frankfurt am Main - Heiliggeistkirche, 09.12. Halle - Saal in den Franckeschen Stiftungen, 10.12. Dresden - Societätstheater 

Website Bugge Wesseltoft

Label-Website

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