zur Navigation springen

ARD-Krimireihe : Sonntagabend im „Tatort“ Münster: Mordsspäße in der Klinik

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Wenn im Kühlfach der Gerichtsmedizin Sekt kaltgestellt wird und der Hauptkommissar eine lästige Mordzeugin entnervt zur Seite schiebt – dann ist Zeit für den „Tatort“ aus Münster.

Münster | Groß Welle machen müssen wir bei diesem Max-und-Moritz-„Tatort“ aus Münster auch heute nicht. Allein die Reihung der Ereignisse stellt klar, dass es erneut für uns Zuschauer weniger ums Gruseln als ums Grinsen geht. Ein Mann fällt im Botanischen Garten halb tot von einer Parkbank. Diagnose: Herzkasper. Die 10-jährige Mia war Zeugin und meldet der Polizei einen „Mordversuch“. Doch Kommissar Thiel (Axel Prahl) nimmt die Kleine nicht ganz ernst und übergibt an Kollegin Krusenstern (Friedrike Kempter), die sich prompt in Mias Papa verknallt.

Derweil stellt Boerne (Jan Josef Liefers) heikle Symptome fest – bei sich selbst – und begibt sich panisch in die Sanus-Klinik für nähere Tests. Ausgerechnet hier landet auch das Opfer aus dem Park. In Fahrt kommt die Story dann, als der Mann auf mysteriöse Weise stirbt, genau wie bald darauf Boernes behandelnde Ärztin (Anna Bederke) und der Fall plötzlich nach einem Pharmaskandal riecht. An Thiel und „Alberich“ (Christine Urspruch) gewandt, bleibt so dem bleichen Boerne nur zu konstatieren: „Ermittlungen ohne mich sind möglich. Aber sinnlos.“ Und sein Klinikaufenthalt wird zum Undercover-Job in Sachen Mord.

Wie immer sieht alles konstruiert aus (Buch: Dorothee Schön). Wie immer bekommt unser Zwerchfell ordentlich Futter. Ja, mittlerweile hat die Kunst der marinierten Sprüche solch ein Niveau, dass die Blödelei eben nicht mehr nur Selbstzweck ist. Regisseur Thomas Jauch jedenfalls versteht es, die Balance zwischen Tragik und Komik so zu wahren, dass uns Thiel und Boerne weiter ans Herz wachsen. Mit all ihren Macken und Attitüden. Und mit einer putzmunteren Komparserie drumherum, die nicht mehr nur Stichworte gibt, sondern wirklich Charakter zeigen darf. Im Guten, wie im Bösen. Naja, abgesehen von Boernes Bettnachbarn – einem Deppen mit Volksmusikfimmel und „astreinem Lungenkrebs“ (Josef Ostendorf) und einem DJ namens „Bischudo“ (!) mit Hammerbeats, Tattoos und Hodenkrebs (Serhat Cokgezen). Wohl bekomm’s!
 

„Tatort – Mord ist die beste Medizin“, 20.15 Uhr, ARD.

zur Startseite

von
erstellt am 21.09.2014 | 17:15 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen