Harry Potter in Neumünster : SHMF-Filmkonzert: Hogwarts in der Holstenhalle

Die Musiker müssen Schritt halten mit der Geschwindigkeit des Films. Denn Harry Potter wartet nicht auf die Orchesterakademie.
Die Musiker müssen Schritt halten mit der Geschwindigkeit des Films. Denn Harry Potter wartet nicht auf die Orchesterakademie.

Justin Freer und die Orchesterakademie meistern die Herausforderung vor etlichen Harry Potter-Fans bravourös.

shz.de von
23. Juli 2018, 08:50 Uhr

Neumünster | Die große Holstenhalle in Neumünster ist brechend voll; es wehen Zauberumhänge und Hogwarts-Schals. SHMF-Intendant Kuhnt stellt sich schelmisch als Christian Potter vor. Und Stardirigent Justin Freer fragt erstmal ab, welche Hogwarts-Häuser vertreten sind: „Hufflepuff?“ Beifall! „Ravenclaw?“ Mehr Beifall! „Slytherin?“ Noch mehr Beifall! „Gryffindor?“ Riesenbeifall!

Alles klar: Willkommen beim fast schon traditionellen Filmkonzert der Orchesterakademie! Dieses Jahr gibt’s im Riesenkino Holstenhalle „Harry Potter und der Stein der Weisen“. Und das ist nun wirklich Kult!

Fast hat man Sorge, dass sich die 120 Mitglieder des Welt-Jugendorchesters nun ständig zur Riesenleinwand hinter sich umdrehen würden; schließlich sind wohl die meisten von ihnen mit dem 2001 entstandenen Film cineastisch sozialisiert; kennen und lieben J. K. Rowlings Geschichte um den kleinen Zauberlehrling, der sich gegen den bösen Lord Voldemort behaupten muss, genauso gut wie andere das Sandmännchen. Aber nein: Sie bleiben cool, hoch professionell und achten nur auf ihren Chef Freers.

Filmmusik live zu spielen ist kein einfaches Geschäft: Der Streifen hat sein eigenes Tempo, er wartet nicht, läuft unerbittlich weiter. Das Orchester muss sich anpassen, muss synchron mitspielen; die dramatischen Stellen zuspitzen, das bunte Treiben im Schloss ausdeuten, Romantisches emotional verstärken. Themen werden nicht entwickelt, sondern lösen einander ab. In großer Vielfalt und oft abrupt. Ein farbenreicher Orchesterklang ist ungemein wichtig.

Der Amerikaner Nelson Freers, als Filmmusik-Komponist („Avatar“) und Live-Filmmusikdirigent international aktiv, ist genau der richtige Mann dafür. Er hat die jungen Musikerinnen und Musiker fest im Griff, hält das Tempo, treibt sie von Klangrausch zu Klangrausch. So entsteht eine großartige Version: ganz nah im filmischen Originalsound – nur deutlich kraftvoller und intensiver. Das dabei die Dialoge manchmal untergehen, ist egal. Die meisten kennen sie sowieso, und außerdem gibt es eine Untertitelung.

So wird der Kultfilm zum „voll krass!“ packenden Hörerlebnis – und die riesige Potter-Gemeinde dankt Orchester und Leiter mit minutenlangen Standing Ovations. Super Sache!

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