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Schleswig-Holstein Musik Festival : SHMF feiert Rekordjahr

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Das Schleswig-Holstein Musik Festival zählt so viele Besucher wie noch nie. Das große Finale steigt morgen Abend in Kiel.

Kiel | Viel gewagt, viel gewonnen: Mit einem neuen Besucherrekord geht an diesem Wochenende das Schleswig-Holstein Musik-Festival (SHMF) zu Ende. Nach acht Wochen, 164 Konzerten, fünf Mal „Musikfest auf dem Lande“ und zwei Kindermusikfesten kann Intendant Christian Kuhnt 153.000 verkaufte Karten von insgesamt 185.000 vermelden. Mit der Platzauslastung von 83 ist das „Klassenziel“ komfortabel erreicht. Die Stimmung im Palais Rantzau, dem Lübecker Festivalsitz, ist entsprechend heiter und die Mannschaft fiebert dem letzten, dem größten Ereignis entgegen: Zum Finale dirigiert Thomas Hengelbrock morgen Felix Mendelssohns „Elias“.

Kuhnt hat einiges umgekrempelt, den Länderschwerpunkt abgeschafft und stattdessen das Interpretenporträt sowie die Komponistenretrospektive installiert, die Chorakademie für Laien geöffnet, die Zahl der Konzerte um 46 erhöht, das Festival um eine Woche verlängert, kleine Räume bespielt, vielen norddeutschen Künstlern Raum gegeben, dem populären Bereich mit Elton John, Ina Müller, Axel Prahl, Rocko Schamoni mehr Gewicht verliehen. Dass diese Palette neuer Ideen funktioniert, hatte sich schon im Vorverkauf abgezeichnet. Am Ende waren 84 Veranstaltungen ausverkauft, allein zu den 17 Konzerten mit der diesjährigen Porträtkünstlerin Sol Gabetta kamen 16.000 Besucher.

Befragt nach der Zufriedenheit auf einer Skala von eins bis zehn, kommt es von Kuhnt dann auch wie aus der Pistole geschossen: „Zwölf! Aber im Ernst: Die Meßlatte war hoch, am höchsten hatten wir sie selbst gelegt. Die Zustimmung, die wir dann erfahren haben, hat uns selbst überrascht.“ Ein Risiko lag in der Öffnung der von Kuhnt-Vorgänger Rolf Beck gegründeten Chorakademie für Laien. Das Niveau 2014 bezaubert allerdings längst auch Experten wie Hengelbrock, der zwei Solistinnen, zwei Solisten, 150 vom SHMF ausgewählte Sängerinnen und Sänger, 100 Mitgliedern des City of Birmingham Symphony Chorus, das NDR Sinfonieorchester und das NDR Jugendsinfonieorchester in der Kieler Sparkassen-Arena durch den „Elias“ leiten wird und damit fast Mendelssohn’sche Ausmaße erreicht. Der Komponist dirigierte die Uraufführung 1846 mit 270 Choristen.

Das Risiko lag auch im Kartenkontingent, das um rund 60 000 Tickets höher war als 2013. Dass die alte Traumauslastung von 92 Prozent mit mehr Angeboten an mehr Spielorten nicht zu erreichen sei, räumte das Team um Kuhnt frühzeitig ein: Ab 70 Prozent sei man im schwarzen Bereich, kalkulierte Verwaltungsdirektor Burkhard Stein vorsichtig; umso heller glänzen nun die 83 Prozent. Der vom Stiftungsrat genehmigte Haushalt von rund 9,1 Millionen Euro ist mit Eigeneinnahmen, Landes- (1,228 Millionen Euro) und Sponsorenhilfe eingehalten.

Schwellen abbauen und verführen, verstärkt auch mit populären Namen – ist das SHMF seinem Ziel näher gekommen? Kuhnt stützt sich auf den Leitsatz Leonard Bernsteins, nach dem es keine E- und U-Musik gebe, sondern nur gute und schlechte Musik. „Ich weiß von einem Ehepaar, das eigentlich ausschließlich zu Elton John wollte und sich dann zum ersten Mal im Leben zu Schostakowitsch getraut hat. Die Verführung funktioniert in viele Richtungen“, sagt er.

Was nächstes Jahr im Einzelnen wird, verrät er freilich noch nicht, aber doch so viel: Es wird wieder ein Interpretenporträt und eine Komponistenretrospektive geben. Und eine SHMF-Station im Advent mit Friedel Güttler am 12. Dezember in der Rendsburger Christkirche sowie am 13. Dezember im Dom zu Lübeck. „Wir wollten einfach nicht ein ganzes Jahr bis zum nächsten Festival-Sommer warten“, sagt Kuhnt.

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erstellt am 30.Aug.2014 | 10:22 Uhr

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