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Literatur : Shiwa und Exzentriker: Jean Cocteau starb vor 50 Jahren

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Jean Cocteau war ein Universalgenie, mondän und exzentrisch. Dass er einer der meist porträtierten Künstler seiner Zeit war, erstaunt deshalb kaum.

Andy Warhol, Francis Picabia, Raoul Dufy und Amedeo Modigliani haben seinen Charakterkopf gezeichnet. Seinem Wesen am nächsten kam ihm jedoch Philippe Halsman. Auf seiner 1963 aufgenommenen Schwarzweiß-Fotografie stellt er Cocteau sechshändig als «Shiwa» dar: In der einen Hand eine Schreibfeder, in der anderen ein Buch, in der dritten einen Pinsel und in der vierten eine Schere. Cocteau, der vor 50. Jahren am 11. Oktober im Alter von 74 Jahren starb, war Dichter, Filmregisseur, Maler, Komponist, Illustrator und Bildhauer.

Cocteau gehörte zu den wichtigsten Persönlichkeiten seiner Zeit. Er war ein touche-à-tout, jemand, der alles kann und dem alles gelingt. Mit 17 Jahren veröffentlichte er seine ersten Gedichte, mit 19 seinen ersten Gedichtband «Lampe d'Aladin». Nur wenige Jahre später schrieb er das Libretto für das kubistische Ballett «Parade». Die Musik dazu komponierte Erik Satie, Bühnenbild und Kostüme schuf Pablo Picasso. Die Choreographie war von Léonide Massine und die Tänzer gehörten zur weltberühmten Truppe der Ballets Russes.

Anfang der 1930er Jahre drehte Cocteau seinen Debütfilm: Das Blut eines Dichters. Er wirkte als Regisseur, Drehbuchautor und Schauspieler bei mehreren Filmen mit. Für Jean Marais, seinen langjährigen Freund und Lebensgefährten, schrieb er Rollen, die diesem wie auf den Leib geschnitten waren. «Es war einmal» und «Orpheus» sind heute zu Filmklassikern geworden.

Cocteaus Bildersprache war voller Träume, wahnhafter Vorstellungen und spontaner Assoziationen. Er orientierte sich an verschiedenen Kunstrichtungen und fand in den 20er Jahren seinen Stil, der ihn von neuromantischen Anfängen über futuristische und dadaistische Versuche zum Surrealismus führte. Die Themen Tod, Grenze zwischen Traum und Wirklichkeit dominieren seine Kunst.

Mit Edith Piaf verband Cocteau eine tiefe Freundschaft. Für sie schrieb er «Le Bel indifférent», ihr erstes Theaterstück. In dem Einakter trat sie 1940 auf. Es war eine Hommage an sie und ihre Männer. Cocteau bewunderte sie. Beide gehörten zu den Monstrés sacrés, den Nationalheiligtümern der Franzosen. Und beide liebten das ausschweifende Leben. Cocteau hatte neben Beziehungen zu Männern auch Verhältnisse mit Frauen. Er war viele Jahre drogenabhängig und musste wegen einer Opiumvergiftung medizinisch behandelt werden.

Cocteau ist nur einen Tag nach der Piaf gestorben, die am 10. Oktober die Bühne des Lebens verlassen hat. «Der Tod von Edith Piaf hat Jean Cocteau getötet» titelte damals ein Teil der Presse. Sie bezog sich auf Zeugenaussagen, denen zufolge Cocteau gestorben sei, als er vom Tod seiner Freundin erfahren habe.

Das Haus Cocteau

Homepage

Internetseite Jean Cocteau Komitee

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erstellt am 10.Okt.2013 | 11:57 Uhr

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