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Siegfried-Lenz-Preis : Schriftsteller Amos Oz erhält Auszeichnung

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Seine Zuhörer in Hamburg begrüßte der 75-Jährige mit den Worten „Shalom to all of you“ (Frieden für Euch alle). Der israelische Schriftsteller Amos Oz ist mit dem Siegfried-Lenz-Preis in Hamburg geehrt worden.

Hamburg | Er wäre wohl nur zu gern dabei gewesen. Nicht, weil Siegfried Lenz bei der Erstverleihung des nach ihm benannten Literaturpreises seine Eitelkeit hätte befriedigen wollen. Alles, nur nicht das. Er wollte vielmehr dem Premieren-Preisträger die Auszeichnung selbst überreichen, weil dieser ihm so nahe stand. So aber musste die erste Vergabe des Siegfried-Lenz-Preises gestern im Hamburger Rathaus ohne den großen Schriftsteller über die Bühne gehen, der vor gut fünf Wochen 88-jährig gestorben war.

Und doch war der Ehrenbürger von Hamburg und Schleswig-Holstein unter den Gästen im Großen Festsaal in aller Munde. Nicht zuletzt beim Ausgezeichneten selbst. In seiner Dankesrede kam der Israeli Amos Oz immer wieder auf seinen Seelenverwandten zu sprechen. Er hätte, so Oz, die Ehrung zu gern aus den Händen des „Freundes“ entgegengenommen. Die beiden waren einander mehr als 30 Jahre verbunden, persönlich wie künstlerisch. 1992 hatte Lenz die Laudatio gehalten, als Oz den Friedenspreis des deutschen Buchhandels erhielt.

Der 75-Jährige unterstrich in seiner Ansprache seine feste Überzeugung von der Kraft der Literatur, gerade in den großen Konflikten der Menschen und Völker. Und er würdigte die große Leistung des Preisstifters auf diesem Feld, die ihm insbesondere durch dessen „Deutschstunde“ bewusst geworden sei. Er selbst sei in einer Umgebung voller Feindseligkeit gegen Deutschland aufgewachsen, Lenz' Meisterwerk habe dazu beigetragen, bei ihm Vorbehalte gegen Deutschland und die Deutschen abzubauen: „Die 'Deutschstunde' hat mich nachdenklich gemacht und mir geholfen, die alten, simplen Schwarz-Weiß-Bilder zu vertreiben“, so der Geehrte.

Amos Oz ist einer der bekanntesten Schriftsteller Israels und mit zahlreichen internationalen Literaturauszeichnungen dekoriert. Der mit 50.000 Euro dotiert Lenz-Preis ist auf Anhieb eine der bedeutendsten Literaturehrungen im deutschsprachigen Raum. Materiell steht er auf einer Stufe mit dem Georg-Büchner-Preis. Die Siegfried-Lenz-Stiftung will die Auszeichnung alle zwei Jahre an einen internationalen Schriftsteller vergeben, dessen Wirken dem Geist des Namensgebers nahe steht. Hamburgs Kultursenatorin Barbara Kisseler (parteilos) sagte: „Mit dem Siegfried-Lenz-Preis wird das vielleicht Wertvollste lebendig gehalten, was uns Lenz hinterlassen hat und seine Werke so einzigartig macht: sein Streben nach Menschlichkeit und Versöhnung.“

Als Laudator betonte Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier das mutige Eintreten von Oz für eine Verständigung zwischen Israelis und Arabern. Als Künstler wie als Privatmann sei dieser sei ein Brückenbauer. „Er setzt auf die Macht des Wortes und der Vernunft. Unermüdlich beschwört er den Frieden und den Dialog.“

Oz habe mit seinem Hauptwerk „Eine Geschichte von Liebe und Finsternis“ eine nationale Chronik Israels geschaffen, sagte Steinmeier. In seinem Werk gehe es um das richtige Gesellschaftsmodell, das Zusammenleben mit den Arabern und die Nazi-Vergangenheit, aus der sich die Angst speise, „immer von Feinden umgeben zu sein“. Der Fanatismus in der Region und im eigenen Land sei zum Lebensthema von Oz geworden, so der Außenminister.

Der Schriftsteller ist Gründer der Friedensgruppe „Peace now“ in seinem Heimatland. Oz tritt für die Zweistaatenlösung ein, die den Palästinensern einen eigenen Staat auf dem Territorium Israels ermöglichen soll. Seine Zuhörer in Hamburg begrüßte der 75-Jährige mit den Worten „Shalom to all of you“ (Frieden für Euch alle). Zum Eintreten für eine Verständigung zwischen Feinden sieht der Geehrte keine Alternative. In der Geschichte seien viele Menschen von den eigenen Landsleuten als Verräter beschimpft worden, von Abraham Lincoln bis Michail Gorbatschow. Er selbst sei schon als kleiner Junge in Israel angefeindet worden, weil er mit einem englischen Soldaten gesprochen habe.

 

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erstellt am 14.Nov.2014 | 15:59 Uhr

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