Fotografierverbot : Schnappschüsse als Werbung für Museen

Typisches Bild im Museum.
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Typisches Bild im Museum.

Immer mehr große Ausstellungshäuser heben das Fotografierverbot auf. Smartphones haben die alte Museumskultur aufgeweicht.

shz.de von
12. Juni 2014, 17:05 Uhr

Flensburger | Da war doch mal was? „Fotografieren verboten“ hieß es in Museen konsequent und drohend. Wer trotzdem die Kamera zückte, hatte sofort eine Aufsichtsperson im Nacken. Smartphones haben die alte Museumskultur aufgeweicht. Und weil sich Verbote nicht mehr durchsetzen lassen, sind private Schnappschüsse in immer mehr Museen erlaubt. Mit Einschränkungen: Kunstwerke und Urheberrechte dürfen nicht zu Schaden kommen. Tabu sind Selfies beispielsweise vor dem Gottorfer Codex. Grundsätzlich aber macht sich Freizügigkeit breit; einig sind sich Experten über den musealen Paradigmenwechsel indessen nicht – aus Sorge um Exponate und Urheberrechte und um einen generellen Kulturwandel.

Als Reinhard Spieler, neuer Direktor im Sprengel Museum Hannover, unlängst das Fotografierverbot abschaffte, waren seine Argumente der Deutschen Presse-Agentur einen langen Bericht wert: „Ich sehe es nicht mehr zeitgemäß.“ Was in Hannover neu ist, gehört auf dem Museumsberg Flensburg jedoch schon längst zum guten Ton. Das Sprengel Museum sei da um Jahre zu spät dran, sagt Direktor Michael Fuhr: „Bei uns und auch bei zahlreichen anderen Museen gilt bereits seit Jahren kein Fotografierverbot für private Besucher mehr. Im Gegenteil: Gerade im Zeitalter des Internet sind private Ambiente-Fotos in sozialen Netzwerken eine unbezahlbare Werbung. Ausnahmen gelten bei uns nur im Nolde-Saal: Grund dafür ist neben dem Urheberrecht auch die konservatorische Sorge um die extrem lichtempfindlichen Aquarelle. Und auch bei professionellen Fotografen sind wir streng: Die brauchen vorher eine Genehmigung.“

Die schnelle Werbung via Selfie ist auch für die Stiftung Schleswig-Holsteinische Landesmuseen Schloss Gottorf ein Pfund, mit dem es zu wuchern gilt. Und so wird es in deren Häusern gehalten wie in vielen anderen auch: Das grundsätzliche Verbot ist aufgehoben, bei Sonderausstellungen wird von Fall zu Fall entschieden, Blitz und Stative sind verboten. Die moderne Technik hat den Museen ein weiteres Problem beschert. „Digitalkameras vor der Brust können inzwischen so gefährlich sein wie der Rucksack auf dem Rücken“, sagt Gottorf-Sprecher Frank Zarp und meint insbesondere die Größe der Objektive, die den Exponaten gefährlich nahe kommen können. Und das in Museen verbotene Blitzlicht ist bei vielen Geräten automatische Zugabe. Da helfe nur Kommunikation. „Wir wollen uns nicht mehr von vornherein auf die Besucher stürzen, sondern die Dinge im Dialog klären.“

In den Lübecker Museen dagegen muss nichts verhandelt werden: Es herrscht generelles Fotografierverbot, daran soll in absehbarer Zeit auch nichts geändert werden. Dabei geht es beispielsweise im Behnhaus Drägerhaus weniger um Gefährdungen durch Blitzlicht. „Wir haben ein Fotografierverbot, weil wir bei zahlreichen ausgestellten Werken nicht über das Bildrecht verfügen. Wir können bei vielen Werken also gar nicht erlauben zu fotografieren“, sagt Sprecherin Jutta Junge, stellt allerdings auch in Frage, ob dieses Verbot in Zeiten neuer Techniken noch durchgesetzt und garantiert werden kann. Museen kapitulieren da vor den gleichen normativen Kräften wie Schulen, die Handy-Verbote aufheben, weil sie eh nicht durchsetzbar sind.
 

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