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Neue Dauerausstellung : Schloss Gottorf: Norddeutsche Kunst als Lichtblick

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Eine neue Dauerausstellung auf Schloss Gottorf rückt die Kunst Schleswig-Holsteins in den Mittelpunkt

von
erstellt am 17.Sep.2015 | 07:30 Uhr

Schleswig | Für einen Kunstgenuss braucht es viel Licht. Nicht zu viel, um Gemälden nicht zu schaden, aber genug, damit alle Farben zur Geltung kommen und man Details wahrnimmt. Kunst genießen kann man nun in der neu geschaffenen Norddeutschen Galerie auf Schloss Gottorf. Dort wo ehemals die Galerie der Gegenwart eingerichtet war, präsentiert das Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte nun in hellen Räumen hochkarätige Kunst aus den letzten 100 Jahren. Gestern wurde dieser Bereich feierlich eröffnet.

„Wir haben Licht und Luft geschaffen“, sagte Kirsten Baumann, Direktorin des Landesmuseums. Knapp ein Jahr lang war die Ausstellungsfläche in den historischen Pferdeställen geschlossen, um Bau und Sanierungsarbeiten durchzuführen. Wände wurden rausgerissen, um neue Sichtachsen zu erzeugen, Transparenz zu schaffen. „Nun erlebt man hier einen Kunstgenuss.“ Weil die Kunst des 20. Jahrhunderts teilweise aus der Galerie der Gegenwart in den Kreuzstall gewandert war, war „eine Lücke frei geworden“, wie Baumann gestern erklärte.

Die Norddeutsche Galerie sei eine schöne Ergänzung zu den Kunstwerken in der Sammlung Horn, meint Christian Walda. Der ehemalige Leiter des Jüdischen Museums in Rendsburg ist für die Neuordnung der Gemälde als Kurator verantwortlich. „Wir zeigen hier 150 Werke“, sagt Walda, „wobei es einen regelmäßigen Wechsel geben wird.“ Das Konzept der Hängung folgt nicht streng einer Chronologie, sondern stellt eher „ein Prinzip der sich ablösenden Generationen“ dar.

Realistisch und ausdrucksstark: Peter Nagels „Lauter Ballons“.
Realistisch und ausdrucksstark: Peter Nagels „Lauter Ballons“. Foto: hfr
 

Los geht es mit dem Expressionismus – als sanfter Übergang von der Sammlung Horn, in der sich viele Werke dieser wichtigen Epoche befinden. Es folgen Kunst der Weimarer Republik, Neue Sachlichkeit, Surrealismus, bevor ein Bereich Künstlern wie Friedrich Karl Gotsch gewidmet ist, die unter der NS-Diktatur gelitten haben. Zum Ende des 75 Meter langen Gebäudes hin wird deutlich, wie vielseitig Schleswig-Holsteins Kunst ist.

So bekommt der Konstruktivismus von Gudrun Piper reichlich Platz, um sich zu entfalten. „Hier sieht man, dass die Moderne nicht an Schleswig-Holstein vorbeigegangen ist“, sagt Baumann. In der Nähe hängen „Lauter Ballons“ von Peter Nagel, der mit der Gruppe Zebra bekannt wurde. Ebenfalls sehr bekannt und auf Gottorf mit vielen Werken vertreten ist Horst Janssen. „Die sieben Werke, die wir von ihm zeigen, sind nur eine Auswahl von dem, was wir von ihm in unserem Magazin haben“, verrät Walda.

Auffällig ist auch Schleswig-Holsteins Tendenz zum Realismus. Die meisten Gemälde der Ausstellung sind gegenständlicher Art und mit den Norddeutschen Realisten gipfelt dieser Hang zum Darstellen von Personen, Stillleben und Landschaften. Gerade die Mitglieder dieser Künstlergruppe dürften derzeit erleichtert sein, gab es doch eine öffentliche Diskussion um die Schließung der Galerie der Gegenwart. „Es handelte sich um ein Missverständnis “, sagte Baumann gestern. Es sei nie die Rede davon gewesen, diesen Trakt für immer dicht zu machen. „Nichts liegt uns ferner, als die norddeutsche Kunst von der Schlossinsel zu verbannen.“

Einen besonderen Platz bekommen die Gottorfer Baumkünstler, die seit 2000 jährlich Gemälde für das Landesmuseum malen. Ihre Werke finden sich in der Mitte der Norddeutschen Galerie und einem Raum im ersten Stock.

Die Kosten für die Umgestaltung und Sanierung konnte Direktorin Kirsten Baumann nicht beziffern. Nur so viel: „Bettina Horn hat die Sanierung finanziell unterstützt.“ Nun gehe es darum, ein junges Publikum anzusprechen. „Die Ausstellung eignet sich besonders gut für Schulklassen“, sagt Baumann, „weil sie einen Überblick über die Kunst in unserem Land gibt.“


Norddeutsche Galerie: Mo-Fr 10-17 Uhr, Sa + So 10-18 Uhr (bis 31. Oktober); Di-Fr 10-16 Uhr, Sa + So 10-17 Uhr (November bis März).

 

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