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Kunst : Schicksal des «Beethovenfrieses» unklar

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Das Schicksal des «Beethovenfrieses» von Gustav Klimt ist im Fall einer Rückgabe an die Erben der österreichisch-jüdischen Kunstsammlerfamilie Lederer ungewiss.

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erstellt am 17.Okt.2013 | 12:57 Uhr

«Ich weiß nicht, was die Erben mit dem Fries machen würden», sagte deren Anwalt Marc Weber am Donnerstag in Wien. So sei die Frage, ob die Öffentlichkeit weiter Zugang zu dem berühmten Wandfries haben würde, noch offen. «Die Willensbildung der Erben hat diesbezüglich noch nicht stattgefunden.»

Der 34 Meter lange Fries, der dem Komponisten Ludwig van Beethoven gewidmet ist, ist seit mehr als 25 Jahren in den Räumen der Wiener Secession ausgestellt. Das Jugendstil-Werk ist eine Touristenattraktion. Die Erben haben beim österreichischen Kulturministerium die Rückgabe beantragt, da der Verkauf an den Staat 1973 nur unter Zwang erfolgt sei.

Der Sammler Erich Lederer habe den Fries für 750 000 Dollar (damals etwa 2,2 Millionen DM) nur deshalb verkauft, weil er nach 28-jährigem vergeblichen Kampf um eine Ausfuhrgenehmigung resigniert habe, sagte der Gutachter, Prof. Georg Graf. Neu ausgewertete Dokumente belegten, dass der Staat mit Hilfe des Ausfuhrverbots dem Sammler den Fries «abpressen» wollte. «Man wollte Eigentümer dazu bringen, die Kunstwerke an den Staat zu verkaufen.» Dieses Kalkül sei sehr oft aufgegangen.

Neben den rechtlichen Aspekten, die seit der Novellierung des österreichischen Kunstrückgabegesetzes 2009 für eine Restitution sprächen, könnte die Alpenrepublik auch politisch-moralisch ein Zeichen setzen, meinte Weber. «Es ist für die internationale Position Österreichs eminent wichtig, wie mit der eigenen Geschichte in solchen Fällen umgegangen wird», sagte der Anwalt, der zwei der insgesamt elf Erben vertritt.

Die jüdische Kunstsammlerfamilie Lederer war von den Nazis enteignet worden. Auch wenn sie nach dem Krieg formal wieder Besitzer ihrer Sammlung mit Werken von Gustav Klimt und Egon Schiele wurde, hatte sie darauf keinen Zugriff. Österreich verbot immer wieder die Ausfuhr einst enteigneter Werke.

Das novellierte Gesetz ermöglicht es, auch Kunst zurückzugeben, die Österreich vom Besitzer gekauft hat. Eine Voraussetzung ist, dass der Kauf in einem engen Zusammenhang mit dem Ausfuhrverbot stehen muss. Ein Beirat will bis zum Sommer 2014 dem Kulturministerium in Wien eine Empfehlung unterbreiten.

Beethovenfries

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