zur Navigation springen

„Kaiser Franz“ aus „Sissi“-Trilogie : Schauspiel-Legende Karlheinz Böhm ist tot

vom

Sie kannten ihn alle als Kaiser an der Seite von Romy Schneider. Allerdings wäre es ihm wohl lieber gewesen, wenn stattdessen die Menschen in Äthiopien im Mittelpunkt gestanden hätten.

shz.de von
erstellt am 30.Mai.2014 | 11:36 Uhr

Salzburg | Der Schauspieler und Gründer der Hilfsorganisation „Menschen für Menschen“, Karlheinz Böhm, ist tot. Er starb am Donnerstagabend im Alter von 86 Jahren in seinem Haus in Grödig, sagte eine Sprecherin der Stadt Salzburg am Freitag. In seinen letzten Jahren litt Böhm unter der Hirnkrankheit Alzheimer. Ein Leben in der Öffentlichkeit war damit für ihn unmöglich geworden.

Sein Sohn Michael Böhm (53) hatte bereits im vergangenen Jahr mitgeteilt, dass die Krankheit es dem ehemaligen Filmstar nicht mehr erlaube, sich selbst zu äußern. Seitdem hätten sich drei Pfleger rund um die Uhr um ihn gekümmert. Böhm habe außerdem seit einigen Jahren einen Herzschrittmacher getragen, wie verschiedene Medien berichtet hatten. Sein Grab soll er allerdings schon im Voraus ausgesucht haben. Natürlich in Äthiopien, dem Ort seines größten Schaffens. Im Erer-Tal im Osten des Landes soll er nun seine letzte Ruhe finden. An dem Ort an dem seine Stiftung 1982 ihr erstes Projekt verwirklichte. Berühmt gemacht hatte er die Region ein Jahr zuvor mit der vielleicht bekanntesten Wette im deutschen Fernsehen.

Böhm wettete nämlich am 16. Mai 1981 in der Fernsehsendung „Wetten, dass...“, dass nicht jeder dritte Zuschauer eine Mark, einen Franken oder sieben Schilling für Menschen in Äthiopien spenden würden. Böhm lag zwar richtig, flog mit den eingenommenen umgerechnet 715.000 Euro jedoch nach diesem Auftritt das erste Mal in das Land im Osten Afrikas und gründete die Hilfsorganisation „Menschen für Menschen“ (MfM).

„Mit Karlheinz Böhm verliert die Welt einen mutigen Visionär und unerbittlichen Kämpfer für Gerechtigkeit“, erklärte MfM am Freitag in München. Die Stiftung führte seit einigen Jahren Böhms äthiopische Frau Almaz. Im vergangenen Dezember gab sie den hauptamtlichen Vorstandvorsitz ab, um sich um ihren schwer kranken Mann zu kümmern. Almaz Böhm war Böhms vierte Frau mit der er zwei Kinder hatte. Nicolas und Aida Böhm sind mittlerweile erwachsen.

Zuletzt hatten Vorwürfe eines Großspenders gegen Almaz Böhm und die Stiftung Schlagzeilen gemacht. Der Vorwurf von Bilanzfälschung, Verschwendung und Intransparenz wurde jedoch entkräftet; die Stiftung erhielt Rückendeckung vom Deutschen Zentralinstitut für soziale Fragen und behielt dessen Spendensiegel - wenngleich mit der Empfehlung, einige Verbesserungen vorzunehmen.

Die Bilanz Böhms und seiner Organisation in Äthiopien kann sich aber sehen lassen: Rund 4,5 Millionen Menschen profitierten von den Hilfsprojekten der Stiftung. Im Rahmen von MfM wurden Hunderte Brunnen gebohrt, über 300 Schulen eröffnet, mittels Kleinstkrediten die Selbstständigkeit für Frauen ermöglicht und gegen die Beschneidung von Mädchen angegangen. Seine Arbeit würdigten die Äthiopier mit einem „Karl Platz“ und einer Skulptur im Diplomatenviertel von Addis Abeba. Für sie war Böhm mehr als nur ein Schauspiel-Kaiser.

Seine ersten Lebensjahre verbrachte Böhm in Hamburg und Dresden. Schließlich führte ihn sein Weg aber nach Wien. Dort arbeitete er zunächst als Regieassistent und besuchte die Schauspielschule des Burgtheaters. Nach seinen ersten Engagements in Wien folgten Bühnengastspiele in München, Frankfurt, Berlin und Zürich. Zeitgleich begann in den Fünfziger Jahren seine Filmkarriere als Star von vielen Unterhaltungsproduktionen.

Den Höhepunkt seiner Popularität erlebte der Schauspieler schon sehr früh. Als er in den Fünfziger Jahren die Rolle des jungen Kaisers Franz Joseph an der Seite von Romy Schneider spielte, lagen ihm die Fans des österreichen Kaiserepos zu Füßen. Der große Ruhm, den er durch seine kaiserliche Rolle erfuhr, störte den Schauspieler allerdings. Nach einigen Versuchen im englischsprachigen Raum Fuß zu fassen, kehrte er 1963 nach Deutschland zurück, wo er erfolgreiche Comebacks vor der Kamera und auf der Theaterbühne feierte.

Trotzdem beendete er nach den Filmen „Martha“ (1973), „Faustrecht der Freiheit“ (1974) und „Mutter Küsters Fahrt zum Himmel“ (1975), die von Rainer Werner Fassbender gedreht wurden, seine Filmlaufbahn und trat nur noch im Fernsehen und im Theater auf. Die Zusammenarbeit mit Fassbender schärfte sein sozialkritisches Denken jedoch noch einmal ungemein und verstärkte sein Bedürfnis den Einwohnern Äthiopiens zu helfen. 1983 gab er seine Schauspielkarriere für die Arbeit mit seiner Stiftung auf.

Dass die Menschen sein großes Engagement in Afrika nicht vergessen haben, zeigte sich schon wenige Stunden nach dem Bekanntwerden seines Todes auf Twitter:

Dieser Nutzer rief sogar dazu auf, Karlheinz Böhms bekannteste Aktion noch einmal aufleben zu lassen:

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen