Brot und Spiele : Saltatio Mortis: Aktuelles mittelalterlich verpackt

Sänger Alea gehört zu den Gründungsmitgliedern von Saltatio Mortis. Das neue Album findet er besonders bunt.
Sänger Alea gehört zu den Gründungsmitgliedern von Saltatio Mortis. Das neue Album findet er besonders bunt.

Einmal in eine andere Epoche eintauchen, Jeans und T-Shirt gegen Gewand oder Ritterrüstung tauschen. Die Mittelalter-Rocker Saltatio Mortis bieten mit ihrem neuen Album «Brot und Spiele» einmal mehr den Soundtrack dazu.

shz.de von
21. August 2018, 06:00 Uhr

Dass Mittelalter-Rock modern sein und aktuelle Themen aufgreifen kann, zeigt die Band Saltatio Mortis mit ihrem neuen Album «Brot und Spiele».

Im elften Studiowerk der Karlsruher Spielleute greifen die acht Musiker aktuelle Themen wie Fake-News oder die Situation Europas auf. Mit ihren Alben «Das schwarze Einmal Eins» und «Zirkus Zeitgeist» hatten die Mittelalter-Rocker es zuvor jeweils auf Platz eins der deutschen Charts geschafft.

Drei Jahre nach dem erfolgreichen Vorgänger kommt nun das neue Album der Totentänzer. «Die Platte ist dieses Mal sehr bunt», sagt Alea alias Jörg Roth, Sänger und Gründungsmitglied der Band. Benannt ist das Album nach einem Zitat des römischen Dichters Juvenal.

Die Musiker hatten ihre Karriere auf einer kleinen Bretterbühne auf der Straße begonnen. Zwischen den Liedern nahm die Band Stellung zu aktuellen Themen wie einst die Spielleute im Mittelalter: «Wir sehen uns als Spielleute der Moderne», sagt Schlagzeuger und Haupttexter Lasterbalk der Lästerliche, der mit bürgerlichen Namen Timo Gleichmann heißt. Die kleine Bretterbühne hat die Band inzwischen gegen nationale und internationale Bühnen eingetauscht, aber der Bezug zu Themen, die die Mitglieder bewegen, ist geblieben.

Die Musik der achtköpfigen Gruppe soll zum Nachdenken und Reflektieren anregen. Die Texte beziehen sich nicht nur auf aktuelle oder politische Themen, auch das Privatleben der Bandmitglieder spielt eine Rolle. «Man findet auf der neuen Platte eigene Reflexionen bis hin zum Trennungslied», sagt Lasterbalk.

«Es gibt Dinge, mit denen wir in der schnellen Zeit vorsichtig sein müssen, wie Fake-News oder dem Internet», erklärt Lasterbalk. So flackert in dem Musikvideo zu «Dorn im Ohr» bei der Strophe «Doch wenn Dummheit unsere Welt bedroht» das Gesicht des US-Präsidenten Donald Trump im Hintergrund auf.

Der Song «Spur des Lebens», der zu den Favoriten von Lasterbalk und Alea gehört, basiert auf einem Brief, den Lasterbalk an sein nicht gezeugtes Kind geschrieben hat. Die Frage sei, ob in der momentanen Situation überhaupt ein Kind gezeugt werden sollte. «Die Welt steht an einem Scheideweg», sagt Lasterbalk. Das positive Feedback und die Reaktionen zu dem Song und dem Musikvideo überwältigten Sänger Alea. Ein starker Kontrast zu «Spur des Lebens»: «Nie wieder Alkohol.» Ein Song, der zum Mitgrölen und Tanzen einlädt.

In zehn Jahren Bandgeschichte haben die Mittelalter-Rocker ihren Denkrahmen immer wieder neu definiert. Mit der Persönlichkeit der Gruppe hat sich auch die Musik über die Jahre verändert. Jedes Album ist anders. «Dazu gehört eine ganze Schippe Mut», sagt Alea. Von negativen Kommentaren über ihre musikalische Entwicklung lassen sich die Musiker nicht beeinflussen: «Wir möchten uns die Freiheit erhalten, das zu machen, was wir wollen», sagt Lasterbalk.

Passend zur Musik erfreuen sich Mittelaltermärkte und -festivals in Deutschland großer Beliebtheit. Die Veranstaltungsreihe «Mittelalterlich Phantasie Spectaculum» hatte in diesem Jahr in fast jeder Stadt Besucherrekorde. Auf einigen solcher Veranstaltungen spielten die Totentänzer ihre neuen Songs bereits und freuten sich über positive Rückmeldungen. Wenn es nach Lasterbalk geht, könnte «Brot und Spiele» das beste Album der Gruppe sein.

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