Datscha-Partys : Russische Seele mitten in Hamburg

Erfolgreiche Kulturarbeit: Russischstämmige Jugendliche des Hamburger Datscha-Projekts. Fotos: sh:z
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Erfolgreiche Kulturarbeit: Russischstämmige Jugendliche des Hamburger Datscha-Projekts. Fotos: sh:z

"Datscha" heißt eines der erfolgreichsten osteuropäischen Kulturprojekte in Deutschland. Kein Russengetto: Das Publikum ist international, viele Deutsche lieben die russischen Partys.

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21. Oktober 2008, 07:32 Uhr

Hamburg | Damals, vor sieben Jahren, waren schon das Buch "Russendisko" und der Film "Good bye Lenin" erschienen. Und es war fast unmöglich, etwas Drittes, genau so großartiges, zu schaffen. Ihnen ist es dennoch gelungen - fünf Freunden, Emigranten aus Russland. Das Hamburger "Datscha"-Projekt ist heute eines der erfolgreichsten osteuropäischen Kulturprojekte in Deutschland.
Alles fing klein an. Mit einer "Gagarin-Party", veranstaltet im Gebäude eines alten Theaters, wohin alle Freunde und Bekannte eingeladen wurden. Es war unerwartet voll, russische Musik war zu hören und russische Spezialitäten wurden serviert. "Es lebten so viele Russen in Hamburg, aber es gab nichts Russisches, worauf man stolz sein könnte", erzählt Vladislav Estrin, einer der Veranstalter. "Russland war leider nur durch Kriminalität, Prostitution, Straßenkinder und Wirtschaftszerfall bekannt. Wir wollten diese negative Vorstellung ändern."
Das Wort "Datscha" und was mit ihm verbunden ist, liegt jedem Russen am Herzen
Schritt für Schritt schaffte sich "Datscha" in Hamburg einen Namen - erstaunlicherweise auch unter Deutschen. "Das ist witzig", erinnert sich Vladislav Estrin. "Die Russen konnten nicht verstehen, warum in der russischen Disco so viele Deutsche waren. Diese wiederum waren erstaunt, dass die Russen sich nicht geprügelt haben." Begleitet wurden alle "Datscha-Partys" zunächst von typisch russischen Klischees: Blini, Pelmeni und Wodka mit Moosbeerensaft. Später hat man darauf verzichtet. Atmosphäre und Stimmung erschienen wichtiger als Details.
Heute ist das Hauptziel des "Datscha"-Teams, osteuropäische Musik zur Weltmusik zu machen, osteuropäische Lebensfreude zu verbreiten, ebenso osteuropäische Filme, und für alle "Datschniki" einen Ort zu schaffen, an dem sie sich (unabhängig von der Muttersprache) zu Hause fühlen. Das Wort "Datscha" und was mit ihm verbunden ist, liegt jedem Russen am Herzen. Ein kleines Gartengrundstück außerhalb der Stadt, wo das selbst gebaute Häuschen steht, Karotten und Äpfel angepflanzt werden, ist der beste Ort, Freunde zu treffen, Gitarre zu spielen, zu grillen.
Wechselnde Discjockeys heizen dem internationalen Publikum ein
Das heutige "Datscha" ist eine Mischung aus Klang und Bild. Wechselnde Discjockeys heizen dem internationalen Publikum ein, Videojockeys kümmern sich um Ausschnitte aus alten, beliebten Filmen, und die eingeladenen Live-Bands werden hier immer zur Glanznummer.

"Wir haben bemerkt, dass unser Stil überall in Deutschland schon ,Datscha genannt wird", sagt Vladislav Estrin. Das hat sich mittlerweile weiter entwickelt: "Datscha" aus Deutschland ist jetzt in St. Petersburg kopiert worden. Man hat eine gleichnamige "Tochter-DJ-Bar" eröffnet, mit genau dieser Stimmung des russischen Deutschland.

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