26 Werke gehen an Benin zurück : Rückgabe afrikanischer Kunst - Wirbel in Frankreich

Große königliche Statuen des Königreichs Dahomey aus den Jahren 1890-1892 im Quai Branly Museum-Jacques Chirac. /AFP
Große königliche Statuen des Königreichs Dahomey aus den Jahren 1890-1892 im Quai Branly Museum-Jacques Chirac. /AFP

Frankreichs Präsident hat die Rückgabe afrikanischer Kolonialkunst gefordert. Ein Bericht zweier Experten schlägt jetzt vor, wie vorgegangen werden kann. Viele befürchten ein Ausbluten der Museen.

shz.de von
24. November 2018, 13:54 Uhr

Paris (dpa) – «Es geht nicht darum, die Museen zu leeren» - mit diesem Satz versuchten Bénédicte Savoy und Felwine Sarr die Gemüter noch vor Veröffentlichung ihres Berichts über die Rückgabe afrikanischer Kolonialkunst in Frankreich zu beruhigen.

Vergeblich. Was bleibt noch in Frankreichs Museen? lautet die beunruhigte Frage aus der Fachwelt.

Savoy und Sarr haben acht Monate an dem Bericht gearbeitet, den Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron im März 2018 bei der französischen Kunsthistorikerin und dem senegalesischen Ökonom in Auftrag gegeben hatte. Noch vor der Übergabe an Macron an diesem Freitag sickerte ein Teil des Inhalts an die Öffentlichkeit durch. Mehrere Medien hatten Einblick in den Bericht, darunter die Wochenzeitung «Le Point», die titelte: «Ein Bericht sieht vor, alles zurückzugegeben (oder fast)!»

Laut Schätzungen befinden sich 85 bis 90 Prozent des afrikanischen Kulturerbes in Europa. Allein in den Sammlungen des Pariser Musée Quai Branly sollen sich rund 70 000 Artefakte aus Subsahara-Afrika befinden, mehr als 17 000 in rund 100 weiteren Museen.

«Der vorliegende Bericht analysiert und verteidigt die Lösung einer dauerhaften Rückgabe», schrieb «Le Point». Ein Satz, der viele aufschreckte. Denn bislang hegte ein Teil der Fachwelt die Hoffnung auf temporäre Rückerstattungen durch langfristige Leihgaben. Als Kontrollorgan bei diesem Vorgehen schlugen manche die Unesco vor.

Der Bericht, der am 27. November in Buchform unter dem Titel «Restituer le patrimoine africain» (etwa: Restitution des afrikanischen Kulturerbes) erscheinen soll, gilt als radikal. Aus ihrem Lösungsansatz hat Savoy, die in Berlin an der Technischen Universität und in Paris am Collège de France lehrt, keinen Hehl gemacht: Man schlage vor, das Gesetz über Kulturgüter zu ändern, sagte sie vor wenigen Tagen der französischen Tageszeitung «Libération».

In Frankreich werden Kulturgüter, die sich schon lange im öffentlichen Besitz befinden, rechtmäßig zu Gemeingütern und sind somit unveräußerlich und unantastbar. Folge: Sie können nicht zurückgegeben werden, sind nicht restituierbar – außer Frankreich ändert sein Gesetz.

In den vergangenen Jahren kam es zwar immer wieder zu Ausnahmen wie etwa 2012, als mumifizierte Maori-Köpfe an Neuseeland zurückgegeben wurden. Für eine Antwort auf die Frage, wie mit der Kunst eines ganzen Kontinents umgegangen werden soll, fehlt bislang jedoch eine Rechtsgrundlage.

Der Bericht umfasst über 200 Seiten. Darin listen die Autoren Artefakte auf, die während der Kolonialzeit in die französischen Museen gelangt sind. Gleichzeitig analysieren sie juristische Fragen und Lösungen. Welche Schlüsse Macron aus dem Bericht zieht, wird sich zeigen.

Eine erste Geste erfolgte noch am Freitag. Frankreich werde unverzüglich 26 Werke an Benin zurückgeben, beschloss Macron. Bei den Kulturgütern handelt es sich um Beutekunst der französischen Armee, die im Zuge der Eroberung des westafrikanischen Landes nach Frankreich gelangt sind. Benin hatte seit langem schon die Rückgabe der Artefakte gefordert.

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