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Eine Geigerin im Interview : „Routine gibt es nicht“

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Das Schleswig-Holstein Musik Festival hat sie ausgelassen, jetzt aber kommt sie wieder ins Land: Anfang November gastiert die Geigerin Anne-Sophie Mutter mit Lambert Orkis am Klavier in Lübeck und Kiel. Im Interview spricht sie über ihre Konzerte, die Familie und ihre Vorliebe für „Lord Dunn-Raven“.

Frau Mutter, was ist für Sie ein perfektes Konzert?
Was wäre ein perfektes Konzert? Perfektion erreicht man nicht, möchte man auch nicht, denn dann gäbe es ja keine Weiterentwicklung mehr. Es ist wie mit der Karotte vor dem Hasen. Auf dem Weg zur Perfektion liegt wohl die Suche danach, jeden musikalischen Wunsch, den eigenen und den der anderen, erfüllen zu können. Ich denke, man lernt im Laufe der Jahre mit den Umständen zu leben und zu erkennen, dass sich die Wünsche immer nur in Teilen erfüllen lassen.

Sie sind nicht nur Geigerin, Sie sind Familienfrau. Wann hat der Alltag mit zwei Kindern bei Ihnen zuletzt dafür gesorgt, dass ein Auftritt von Routine lebte?
Privates darf niemals in einen Konzertabend hineinspielen. Und Routine gibt es nicht, nicht einmal, wenn ich die Leibgerichte meiner Kinder koche. Im Übrigen sind meine Kinder eine immense Bereicherung meines Lebens, das Wichtigste in meinem Leben überhaupt.

Ihr Werdegang – Geigespielen seit dem 5. Lebensjahr, wegen Talents von der Schulpflicht entbunden, als „Wunderkind“ gefeiert – ist Legende. Wie ist das bei Ihren eigenen Kindern: Waren Sie jemals versucht, deren Genie ans Licht zu holen?
Die Frage setzt voraus, dass es etwas Geniales gibt. Jeder Mensch hat eine Begabung, die Frage ist nur, wie früh sie entdeckt wird. Ich wünsche meinen Kindern, dass das, was sie tun, sie erfüllt.

Waren Ihre Kinder also ganz normale Schüler?
Ja.

Mit besonderen Talenten?
Ich halte sie natürlich für überdurchschnittlich begabt. Wie jede Mutter.

Fast so berühmt wie Sie selbst sind Ihre beiden Stradivari-Violinen, die „Emiliani“ und die „Lord Dunn-Raven“. Erklären Sie bitte einem Laien, warum Sie in Konzerten nur letztere spielen.
Die „Lord Dunn-Raven“ von 1710 ist mir seit 28 Jahren ein optimaler Partner. Zwar zeigen sich hin und wieder Ermüdungserscheinungen, aber eine schönere Strahlkraft kann ich mir bei einem Instrument nicht wünschen. Wenn es mal nicht optimal klingt, dann liegt dies am Handling.

Noch einmal zurück zum perfekten Auftritt: Der bräuchte natürlich auch entsprechende Räumlichkeit. Welche Erinnerungen haben Sie da an Lübeck und Kiel?
Außerordentlich schöne. Lübecks ja relativ neue Musik- und Kongresshalle hat eine wunderbare helle Akustik, das ältere Kieler Schloss ist ebenfalls ideal. Außerdem habe ich in Schleswig-Holstein wie auch in Hamburg ein enorm enthusiastisches Publikum gefunden.

Sind die beiden Konzerte in Schleswig-Holstein so etwas wie ein Festival-Nachklapp? Denn da haben Sie den Norden ja in diesem Jahr nicht besucht...
Nun ja, im Sommer gibt es eine Fülle von Festivals und ich kann natürlich nicht überall gleichzeitig sein.

Ihre Auswahl für Lübeck und Kiel – Fritz Kreisler, Anton Webern, Eduard Grieg, Witold Lutoslawski, César Franck – präsentiert Musik aus den vergangenen 127 Jahren. Warum diese Auswahl?
Mit Mozart und Beethoven war ich schon in Schleswig-Holstein, da macht eine Wiederholung wenig Sinn. Und die Spanne bei der aktuellen Auswahl ist enorm. Lutoslawski etwa spielt für mich eine wichtige Rolle; er war der erste zeitgenössische Komponist, mit dem ich mich beschäftigt habe.
 

Am 5. November in der Lübecker MuK und am 6. November im Kieler Schloss, jeweils 20 Uhr. Karten unter 01806/570000.

 





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erstellt am 17.Okt.2013 | 13:21 Uhr

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