Konzert : Riesa feiert die Kelly Family bei Tourstart

Die Kelly Family begeistert ihre Fans in Riesa.
Die Kelly Family begeistert ihre Fans in Riesa.

Lange war es ruhig um die Kelly Family - im vergangenen Jahr dann das große Comeback in Dortmund. Nun gehen sieben Mitglieder der musikalischen Großfamilie wieder auf Europatour. Los geht's in einem Städtchen in Sachsen.

shz.de von
26. Januar 2018, 09:46 Uhr

«Ihr seid treu geblieben», sagt John Kelly - und die SachsenArena in Riesa jubelt. Nach ihrem erfolgreichen Comeback im vergangenen Jahr in Dortmund hat sich die Kelly Family die sächsische Provinz ausgesucht, um ihre Europatour zu starten.

Der Altersdurchschnitt des Publikums dürfte noch knapp oberhalb der mittlerweile auch in die Jahre gekommenen Pop-Rock-Folker liegen. Der Stimmung tut das keinen Abbruch: Wenn Angelo, Jimmy, Joey, John, Kathy und Patricia gemeinsam mit dem zwischenzeitlich mal ausgeschiedenen Paul Kelly altbekannte Hits wie «An Angel» oder «I Can't Stop The Love» bringen, singt die Halle mit - zumindest bei den Refrains.

Schon beim ersten Song reißt es viele von den Sitzen in der komplett bestuhlten Arena. 7000 sind gekommen, um zu sehen, wie die Kellys das erste Mal seit 20 Jahren wieder auf Tour gehen. Schon seit zwei Tagen haben die sieben ihr «We got Love»-Tourprogramm in der Halle proben können - für Riesa als Tourauftakt ein entscheidender Faktor.

Die Bühnenshow mit Konfettiregen und Feuerstößen kommt an. Bei rockigen Hits wie «Why, Why, Why» heizt Joey mit Gitarrensoli die Stimmung weiter an, Angelo wirbelt am Schlagzeug. Als «We Got Love» erklingt, der Song vom gleichnamigen aktuellen Album, wird rhythmisch mitgeklatscht. Jimmy singt im Duett mit sich selbst, als auf der Videowand hinter der Bühne Aufnahmen aus Kindertagen zu sehen sind. «Ich spiele seit Jahren auf Euren Fußgängerzonen», ruft John dem Publikum zu. «Habt ihr das nicht gesehen?» Er zeigt sich dankbar «für die unglaubliche Unterstützung».

Paul Kelly ist als «Special Guest» angekündigt. Der 53-Jährige kommt auch erst nach etwa einer halben Stunde auf die Bühne - typisch irisch mit Drehleier, Kilt und langer Feder am Hut. In den 1970er Jahren als Kind schon bei der Gründung der Band mit dabei, war er in den 80ern ausgestiegen, hatte Koch gelernt und den kommerziellen Durchbruch der Kellys nicht als aktives Bandmitglied miterlebt. Mit Bart, Bauch und buschigen Augenbrauen erinnert er heute stark an seinen 2002 gestorbenen Vater Dan.

Auch ein Abbild des alten Londoner Doppeldeckerbusses, mit dem die Kellys lange unterwegs waren, steht in der Kulisse der Bühne und erinnert an die Anfänge, als die Familie noch auf den Straßen Europas und der USA unterwegs waren. Amerikanische Gospel dürfen da im Programm ebenso wenig fehlen wie Irish Folk, spanische Lieder oder der Song «Une famille c'est une chanson» auf Französisch.

Das Publikum ist dankbar. «We love you» steht auf einem Herz, das ein Fan vor der Bühne hochhält. Leuchtstäbe und Handys werden geschwenkt. Sogar Ordner müssen eingreifen, als Fans von den Rängen in die Hallenmitte strömen, um dort in den Gängen zwischen den Sitzreihen zu tanzen. Ordnung muss sein. Nach knapp 90 Minuten auf der Bühne, rund 30 Songs und mehreren Zugaben ist Schluss.

Die Europatour, führt die Kellys durch mehr als 20 deutsche Städte sowie in die Niederlande, die Schweiz, nach Österreich, Tschechien und Polen. Schluss ist im April in Krakau. Alle Konzerte sind ausverkauft. Wer keine Karten hat, die Familienbande aber dennoch sehen will, muss es bei der sich im Sommer anschließenden Open-Air-Tour versuchen.

Für die Fans aus Riesa war der Kelly-Tourauftakt eines der eher seltenen musikalischen Großereignisse. Außer den Shanty-Rockern von Santiano und der umstrittenen Südtiroler Deutsch-Rockband Frei.Wild haben sich bislang für dieses Jahr nur noch die Schlagstars Marianne und Michael, Florian Silbereisen und Roland Kaiser in der ehemaligen Stahlstadt an der Elbe angekündigt.

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