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Comeback : Ride oder Die Rückkehr des Shoegaze, Teil 3

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Ein merkwürdiges Phänomen: Alle großen Shoegaze-Bands der 90er sind wieder da, obwohl dieses Britpop-Subgenre mausetot zu sein schien. Jetzt erleben auch Ride nach 20 Jahren ein Comeback.

Zuerst My Bloody Valentine mit ihrer umjubelten Rückkehr vor vier Jahren. Dann Slowdive mit einem sehr soliden Comeback vor einigen Wochen. Nun Ride, die mit «Going Blank Again» (1992) und «Carnival Of Light» (1994) Shoegaze-Klassiker schufen.

Unter all den Musikern, die auf Schuhe starren, waren Ride womöglich die rockig-konventionellste, am stärksten auf den nachfolgenden Britpop ausgerichtete Band. Gegründet 1988 in Oxford von Mark Gardener (Gitarre/Gesang), Andy Bell (Gitarre/Gesang), Steve Queralt (Bass) und Laurence Colbert (Schlagzeug), ging ihre Karriere 1996 mit «Tarantula» zu Ende - so schien es. Zwar kam 2001 noch die Single «Coming Up For Air» heraus, aber dann hörte man nicht mehr viel.

Dass die zeitweise von Streitereien geplagte Truppe jetzt in Originalbesetzung zurückkehrt, war also nicht zu erwarten. Umso erstaunlicher, wie frisch und druckvoll die ersten drei Tracks von «Weather Diaries» (Wichita/Pias) klingen. «Lannoy Point», «Charm Assault» und «All I Want» beweisen, dass es sich hier nicht um ein reines Cash-in-Produkt für Britrock-Nostalgiker handelt.

Das träumerische, von lieblichen Harmonien im Stil eines Donovan getragene «Home Is A Feeling» und das in Pink-Floyd-Nähe angesiedelte Titelstück wissen als sphärische Prog-Folk-Balladen zu gefallen. Immer noch errichten Gardener & Co. mit Gitarren, Keyboards, Dreampop-Vocals und viel Hall eine veritable «Wall of Sound», bauen auch mal Krautrock- und Glam-Elemente ein («Lateral Alice») oder werden hymnisch («White Sands»).

Dass die Ideen-Dichte in der zweiten Albumhälfte etwas nachlässt und manches mäandert («Cali», «Integration Tape»), kratzt nicht am Gesamteindruck: Nach My Bloody Valentine und Slowdive haben auch Ride einen positiv überraschenden zweiten Karrierestart hinbekommen. Im Shoegaze-Land Nummer eins, Großbritannien, stiegen sie damit auf einem beachtlichen Platz 11 der Charts ein.

Konzerte: 4.11. Weißenhäuser Strand (Rolling Stone Weekender), 5.11. Berlin (Astra)

Website Ride

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erstellt am 03.Jul.2017 | 12:16 Uhr

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